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17.5.2012 : 3:29 : +0200

Wohngebiet "Bannholzgraben"

Anfang der 90er-Jahre untersuchte das Amt für Stadtentwicklung- und Umweltplanung (ASU) ausgehend vom absehbaren Mangel an Entwicklungsflächen für Wohnungsbau und Gewerbe fünf mögliche Erweiterungsgebiete am Stadtrand von Viernheim, die für die zukünftige Stadtentwicklung in Betracht kamen. Auf dieser Grundlage entschied sich der Magistrat für eine Stadterweiterung im Gebiet "Bannholzgraben", so benannt nach einem östlich des Gebietes verlaufenden Graben.
 

Reihenhaussiedlung am Großen Bruchfeld

Die Reihenhaussiedlung am Großen Bruchfeld im Wohnquartier 1 wurde bereits 1998 bezogen

Das Entwicklungsgebiet liegt am östlichen Stadtrand, vom übrigen Stadtgebiet durch die bislang als Ortsumgehung dienende Landesstraße 3111 getrennt. Es schließt im Südwesten an ein Wohngebiet der 70er-Jahre (Oststadt), im Nordosten an ausgedehnte Gewerbe- und Industrieflächen an. Auf einer Gesamtfläche von etwa 51 Hektar entsteht seit Mitte 1997 ein neues Wohngebiet für etwa 1.500 Menschen, ein Gewerbegebiet sowie ein Mischgebiet mit einer Nutzungsmöglichkeit für etwa 850 Arbeitsplätze. 

Um entsprechend den örtlichen Bedürfnissen genügend kostengünstigen Wohnraum und finanzierbare Gewerbegrundstücke schaffen zu können, hatte sich die Stadt Viernheim für das Planungsinstrument der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme entschieden.

In allen Wohnquartieren wurde Wert auf eine harmonische Mischung von Geschosswohnungen, Reihen-, Doppel- und Einzelhäusern gelegt.

Im Sinne einer zeitgemäßen, an Kriterien nachhaltiger und umweltgerechter Stadtentwicklung, orientierten Planung wurden nachfolgende Anforderungen an den städtebaulichen Entwurf für das Baugebiet gestellt:

Bereitstellung preiswerter Baugrundstücke für kostengünstiges Bauen bei hoher Wohnqualität (hoher Anteil verdichteter Bauformen)

Enge räumliche Zuordnung von Wohnen und Arbeiten bei Vermeidung gegenseitiger Beeinträchtigungen (Mischnutzung in enger Nachbarschaft und kurze Wege)

Entwicklung von Gewerbegrundstücken unterschiedlicher Größe für die Nachfrage von Viernheimer Betrieben

Orientierung der Erschließung an umweltfreundlichen Verkehrsarten wie Fußgänger-, Radfahrerverkehr und ÖPNV (verkehrsberuhigter Straßenausbau, autoarme Straßen)

Begrenzung des Autoverkehrs in den Wohnquartieren durch Bündelung der Parkierung (teilzentralisiertes Parken)

Minimierung der Eingriffe in den Naturhaushalt, weitgehender ökologischer Ausgleich innerhalb des Plangebietes (intensive Begrünung und geringe Versiegelung)

Begünstigung der Identifikation mit den Quartieren durch individuelle Gestaltung und Raumbildung

Energiepolitische Orientierung am städtischen Klimaschutzprojekt (als Standard ist die Niedrigenergiebauweise 50 kW/ha zwingend vorgeschrieben)

Regenwasserableitung von Dachflächen und öffentlichen Verkehrsflächen in ein öffentliches Versickerungssystem

Das entsprechend diesen Zielsetzungen entwickelte städtebauliche Konzept sieht im Westen entlang der L 3111 einen gewerblichen Streifen, im Osten mit Blick zur Bergstraße einen Wohnbereich und dazwischen einen als Nord-Süd-Achse verlaufenden gebietsgliedernden Grünzug vor.

Die Verkehrserschließung des Gebiets erfolgt von Westen über vier Anbindungspunkte an die anbaufreie L 3111 bzw. der parallel hierzu verlaufenden Gewerbegebietsstraße. Die einzelnen Wohngebiete werden durch ein kammartiges System von west-ostorientierten Sammelstichstraßen erschlossen. Eine Verbindung der Baugebiete und die Anbindung an den Stadtkern wird über die in Nord-Süd Richtung verlaufende "Umwelttrasse" gewährleistet, d.h. eine Verbindung, die nur für den Linienbus, Radfahrer, Fußgänger als auch für Ver- und Entsorgungsgfahrzeuge durchgängig benutzbar ist. Eine interne Wohnquartiersverbindung für den Kfz-Verkehr gibt es nicht, so dass gebietsfremder Verkehr weitgehend minimiert wird.

Das Wohngebiet gliedert sich in vier Einzelquartiere mit jeweils eigener Identität. Die Bebauung gruppiert sich dabei um kleine, unterschiedlich gestaltete Quartiersplätze, die dem jeweiligen Wohnquartier als "zentrale Mitte" dienen sollen. Jedes Quartier weist eine Mischung an Wohnformen mit Geschoßwohnungsbau, Reihen-, Doppel- und Einzelhäusern auf. Insgesamt sind 61 Einzelhäuser, 42 Doppelhaushälften, 235 Reihenhäuser entstanden. Die Maßname ist bis auf wenige Grundstücke abgeschlossen.

In den gemischt genutzten Bereichen (Quartier 5) sieht der städtebauliche Entwurf eine enge Zuordnung von Wohnen, Arbeiten und Versorgung vor, ohne dass jedoch direkt an der stark belasteten L 3111 gewohnt werden soll. Zugleich wird aber auch verhindert, dass ein reiner Gewerbe- und Bürostandort ohne Wohnnutzung entsteht.

Der Gebäudetyp (Mehrparteienhaus, Reihenhaus, Doppelhaus, Einzelhaus) ist für fast alle Wohnbauflächen durch den Bebauungsplan ebenso verbindlich festgesetzt wie die Dachform (Flachdach, Pultdach, Satteldach, Walmdach) sowie ein begrenzter Spielraum für die Dachneigung. Bei vielen Wohnbauflächen sowie allen gewerblichen Bauflächen ist eine Begrünung von mindestens 50 Prozent der Dachfläche vorgeschrieben.

Die verkehrsberuhigten Mischflächen der Wohnwege stellen neben der bereits erwähnten "Umwelttrasse" die wesentliche Erschließung der einzelnen Quartiere dar. Die Regenwasserableitung erfolgt über ein vernetztes Muldensystem an der Oberfläche der Wohnwege mit anschließender Versickerung. Auf eine Entwässerung mittels Regenwasserkanal wurde im Sinne der nachhaltigen Sicherung des Gebietswasserhaushalts gänzlich verzichtet. Dieses System dient gleichzeitig der Gliederung in Privatgrundstücke und öffentlichen Straßenraum. Ein weiteres Beispiel für Wasser als stadtbildgestaltendes Element ist der Wasserspielplatz im Quartier IV.

Der Bebauungsplan beinhaltet eine Fülle von Detailregelungen, deren Umfang das übliche Maß an Festsetzungen übertrifft. Dies gilt besonders für die ökologischen Ansätze, die nicht zuletzt wegen der Selbstverpflichtung der Brundtlandstadt Viernheim zur nachhaltigen Stadtentwicklung eine wesentliche Rolle spielen.


Übersichtsplan Bannholzgraben

Der Stadtteil Bannholzgraben östlich der Landesstraße 3111 zeichnet sich durch eine große Nutzungsvielfalt aus. Das Baugebiet ist in vier reine Wohnquartiere sowie ein Mischgebiet im Südwesten und ein Gewerbegebiet gegliedert, wobei die Wohnquartiere 1 bis 4 untereinander durch die "Umwelttrasse" (nicht für Kfz nutzbar) verbunden sind.

Plan Quartier 1
Plan Quartier 1

Quartier 1

Das Wohnquartier 1 im Norden war bis Jahresende 2000 weitgehend bebaut. Neben einer Kleingartenanlage findet man dort auch eine Kindertagesstätte, die den neu entstandenen stadtteilbezogenen Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen abdeckt.


Plan Quartier 2
Plan Quartier 2

Quartier 2

Das Wohnquartier 2 wurde seit Jahresmitte 2000 erschlossen, der Hochbau ab Jahresmitte 2001 realisiert.


Plan Quartier 3
Plan Quartier 3

Quartier 3

Das Wohnquartier 3 wurde fast zeitgleich zum Wohnquartier 2 umgesetzt.


Quartier 4

Plan Quartier 4
Plan Quartier 4

Das Wohnquartier 4 am südlichen Rand des Stadtteils ist zum größten Teil fertiggestellt. Die Gestaltung des Quartiersplatzes wird dieses Jahr realisiert.



Plan Quartier 5
Plan Quartier 5

Quartier 5

Das Quartier 5 besteht aus zwei Laden- und Bürozeilen entlang der L 3111 und einer dahinter liegenden Wohnbebauung, die durch den Gebäudekomplex vom Verkehrslärm abgeschirmt wird.


Plan Quartier 6
Plan Quartier 6

Quartier 6

Beim Quartier 6 handelt es sich um ein reines Gewerbegebiet mit einigen Betriebswohnungen. Es verläuft bandartig von Norden nach Süden entlang der L 3111 und bildet den sogenannten städtebaulichen Auftakt des Gesamtgebietes.


Weitere Informationen zum Neubaugebiet Bannholzgraben können den unten aufgeführten Broschüren entnommen werden. Sie können per E-Mail undefinedIarnold(at)Viernheim.de angefordert werden.

Nutzungsmischung - Ein Ziel nachhaltiger Stadterweiterung
Nutzungsmischung - Ein Ziel nachhaltiger Stadterweiterung
Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme "Bannholzgraben" - "Vom Entwurf zur Realisierung"
Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme "Bannholzgraben" - "Vom Entwurf zur Realisierung"