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17.5.2012 : 3:37 : +0200

Berufsausbildung in Teilzeit (Förderband)

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Die Berufsausbildung in Teilzeit - Ein Erfahrungsbericht im Interview mit dem Arzt Herrn van Treek und der Teilzeitauszubildenden Julia Kapobel

Mit Ausbildungsbeginn 2009 gelang es erstmalig durch das Projekt Spagat des Vereins Förderband, dass eine Ausbildung in Teilzeit in der Viernheimer Arztpraxis van Treek begonnen werden konnte.

Inga Hennig, die Ansprechpartnerin von Spagat, trifft fast 9 Monate nach Beginn der Ausbildung die Auszubildende Julia Kapobel und den Ausbilder Herrn van Treek zum Erfahrungsaustausch im Interview.

"Julia, warum hast du dich für eine Ausbildung in Teilzeit entschieden?"
"Für mich war das die Möglichkeit meine Tochter und eine Ausbildung unter einen Hut zu bekommen. Zu Ausbildungsbeginn war meine Tochter erst knapp sechs Monate alt. Ich wollte sie nicht den ganzen Tag betreuen lassen, obwohl sie eine wunderbare Betreuung durch Oma und Opa erfährt. Mit der Möglichkeit der Teilzeitausbildung habe ich Zeit für mein Kind und absolviere eine Ausbildung."

"Julia, wie läuft das mit der Berufsschule?"
"Ich fahre zwei Mal pro Woche mit dem Zug nach Bensheim in die Berufsschule. Der Unterricht findet in Vollzeit statt, also zwei Mal sechs Schulstunden. Bisher habe ich nur gute und sehr gute Noten."

"Herr van Treek, wie setzen Sie in Ihrer Praxis das Teilzeitmodell um, was bedeutet das konkret für den Praxisalltag?"
"Eine Auszubildende war eigentlich gar nicht geplant. Aber durch das Praktikum, das Frau Kapobel bei mir absolvierte, konnte ich sehen, wie motiviert sie ist. Ich sehe das Ganze auch unter sozialen Aspekten. Ich finde es sehr wichtig, Frauen eine Chance zu geben, neben dem Baby auch einen Beruf erlernen zu können. Und heute bin ich sehr glücklich, Frau Kapobel in meiner Praxis zu haben.
Für mein Praxisteam und mich macht es keinerlei Umstände, die Ausbildung in Teilzeit anzubieten. Meine zwei Arzthelferinnen arbeiten dadurch nicht weniger oder mehr. Frau Kapobel ist 15 Stunden in der Woche in den Praxisalltag integriert. Sie arbeitet an drei Tagen von 8:00 Uhr bis 13:00 Uhr."

"Wie lief das mit der Eintragung des Ausbildungsverhältnisses bei der Kammer?"
"Ich habe den Ausbildungsvertrag auf der Internetseite der Ärztekammer heruntergeladen, ausgefüllt, eine tägliche Arbeitszeit von 5 Stunden eingetragen und abgeschickt. Wenig später wurde er bestätigt zurückgesandt."

"Wie haben Sie das mit der Ausbildungsvergütung geregelt?"
"Ich habe mich gegen eine Reduzierung der Ausbildungsvergütung prozentual zur Wochenarbeitszeit entschieden und zahle die volle Ausbildungsvergütung."

"Gibt es Fördergelder? Wenn ja, in welcher Höhe und wie lief deren Beantragung?"
"Von den Fördergeldern habe ich durch das Förderband erfahren. Es gibt ein Altbewerberprogramm für Ausbildungsplatzsuchende, die sich schon im Vorjahr um einen Ausbildungsplatz bemüht haben. Bei der Beantragung unterstützte mich das Förderband. Der Antrag ging dann an das Regierungspräsidium Kassel. Nach ca. 12 Wochen erhielt ich eine positive Rückmeldung. Der Zuschuss beträgt monatlich maximal 50% der tariflichen Ausbildungsvergütung für das erste Ausbildungsjahr und 25% für das zweite Ausbildungsjahr."

"War die Entscheidung, die Ausbildung in Teilzeit anzubieten, richtig?"
"Ja, in jedem Fall! Und ich stehe gerne Kolleginnen und Kollegen als Ansprechpartner zur Verfügung, falls sie sich mit der Entscheidung noch unsicher sein sollten."

Bild des Praxisteams: von links: Herr van Treek, Arzthelferin Frau Hook, Werkstudentin Frau Kiersz, Arzthelferin Frau Koch, Teilzeitauszubildende Frau Kapobel)

Bild des Praxisteams: von links: Herr van Treek, Arzthelferin Frau Hook, Werkstudentin Frau Kiersz, Arzthelferin Frau Koch, Teilzeitauszubildende Frau Kapobel)

Berufsausbildung in Teilzeit

Sie erhalten eine interessante Bewerbung einer allein erziehenden Mutter oder eines Vaters? Ihre Auszubildende wird schwanger? Ihr Auszubildender muss einen pflegebedürftigen Angehörigen pflegen? In all diesen Fällen kann die Ausbildung in Teilzeit für alle Beteiligten eine Lösung darstellen.

Wie funktioniert Teilzeitausbildung?

Gesetzliche Grundlage der Teilzeitausbildung ist insbesondere der § 8 des Berufsbildungsgesetzes BBiB und ist für alle Ausbildungsberufe im dualen System und vergleichbare anerkannte Ausbildungen möglich.

  • Eine wöchentliche Ausbildungszeit von 25 Stunden soll nicht unterschritten werden. Darin sind die Berufsschulstunden enthalten.
  • Alle Vertragspartner (Betrieb, Azubi und Kammer) sprechen ab, zu welchen Zeiten diese Stunden geleistet werden.
  • Der Berufsschulunterricht findet in Vollzeit statt. Die Berufsschule wird von der Auszubildenden über die Teilzeitausbildung informiert.
  • Im Ausbildungsvertrag wird schriftlich fixiert, dass die Ausbildung in Teilzeit stattfindet.

Umsetzbare Teilzeitmodelle

Teilzeitausbildung durch Abkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit: Die Arbeitszeit einschließlich des Berufsschulunterrichts beträgt mindestens 25 Wochenstunden bzw. 75% der wöchentlichen Arbeitszeit (ca. 20 Stunden im Betrieb und Berufsschultage in Vollzeit).

Teilzeitausbildung mit Verlängerung der Ausbildungszeit um maximal ein Jahr: Eine verkürzte tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit kann mit einer Verlängerung der kalendarischen Ausbildungsdauer verbunden werden. Die Entscheidung hierüber trifft die jeweilige Kammer.

Die Vorteile für Ihren Betrieb

Sie haben hoch motivierte und verantwortungsbewusste Auszubildende, da diese auf Grund ihrer Lebenssituation über ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Organisationsgeschick verfügen.

Sie erfahren für Ihren Betrieb eine finanzielle Entlastung, da eine reduzierte Arbeitszeit auch eine Reduzierung der Ausbildungsvergütung prozentual zur Wochenarbeitszeit bedeutet.

Sie erhalten einen Imagegewinn, da Sie durch eine familienbewusste Personalpolitik ein hohes gesellschaftliches Ansehen genießen.

Fördermittel

Als finanziellen Anreiz für Ihr Unternehmen gibt es die Möglichkeit, Fördergelder aus Bundes- bzw. Landesfördermittel zu beantragen.

Der Verein Förderband stellt Ihnen das speziell für Sie in Frage kommende Förderprogramm vor und unterstützt Sie gerne bei der Antragstellung. Auch können wir jederzeit Kontakte zu erfahrenen Teilzeitausbildungsbetrieben herzustellen.

Ansprechpartner:

Inga Hennig
Förderband Viernheim e.V.
Projekt Spagat
Friedrich-Ebert-Str. 8
68519 Viernheim
Tel: 06204-9112562
E-Mail: i.hennig(at)foerderband-viernheim.de
Internet: www.foerderband-viernheim.de