Energiekarawane
weitere Links:
Die Energiekarawane kommt... in Ihr Wohngebiet
Ausgangslage:
Trotz kommunalem Förderprogramm seit 15 Jahren und hoher Energiepreise ist die erreichte Sanierungsquote immer noch zu gering. Technisch-wirtschaftliche Sanierungspotenziale ganzer Straßenzüge liegen brach und die Klimaschutzziele im Bereich Gebäudesanierung werden nicht wie geplant erreicht.
Die Gründe dafür sind vielfältig: Der Aufwand für eine Sanierungsmaßnahme wird gescheut, weil damit Lärm, Dreck und Stress einhergehen. Vielleicht fehlen Informationen über die technisch-wirtschaftlichen Randbedingungen.
Es mangelt an der Motivation, sich mit der Sanierung seines Hauses auseinandersetzen zu wollen, weil andere Probleme momentan eher im Vordergrund stehen. So lassen sich im Einzelfall immer nachvollziehbare Argumente finden, ein Gebäude nun gerade nicht zu sanieren. Menschen handeln nicht wirtschaftlich rational. Schon lange überlegen die in Viernheim für den Klimaschutz Verantwortlichen, wie die Menschen besser zu erreichen und zu motivieren sind.
Lösungsansatz:
Energiekarawane in ausgesuchten Quartieren mit Altbaubestand
Die Mehrheit der Menschen erreicht man nur durch persönliche Ansprache. Sie wollen motiviert und fachlich informiert werden. Am besten in ihrem vertrauten Umfeld, d.h. zu Hause. Ganz individuell lassen sich hier die erforderlichen Maßnahmen durchsprechen. Wir gehen davon aus, dass mit einer individuellen, aktiven und intensiven Beratung eine erheblich größere Motivation ausgelöst werden kann, das eigene Haus zu sanieren, als mit anderen Formen der Öffentlichkeitsarbeit. Zu diesem Zweck wurde die Energiekarawane entwickelt.
Im Rahmen der Energiekarawane wird in einem ausgesuchten Quartier ein Team von Energieberatern in alle Häuser geschickt mit dem Ziel, alle interessierten Hauseigentümer und ggf. Mieter zu beraten. Die Aktion wird vorbereitet mit einem Anschreiben des Bürgermeisters an die Hauseigentümer, Postwurfsendungen an alle Haushalte, Pressearbeit und Poster im Straßenraum. Im Aktionszeitraum von 3-4 Wochen ziehen die Berater, in den ihnen zugeteilten Straßen, von Haus zu Haus und bieten eine Energieberatung an, die maximal eine Stunde dauert. Bei der ersten Karawane wurden die Anwohner ausschließlich durch Klingeln an den Haustüren erreicht, bei der zweiten und dritten vorwiegend durch vorheriges Anrufen bei den Hauseigentümern. Mit großem Erfolg.
Durch das vorherige Anrufen bei den beiden letzten Runden wurden die weniger interessierten Personen "aussortiert". Sie vereinbarten erst gar keinen Beratungstermin. Es blieben die interessierten, motivierten und jüngeren Hauseigentümer übrig. Mieter ließen sich fast nicht mehr beraten und tauchten in der Telefonumfrage im Rahmen der Evaluation gar nicht auf.
Bei den telefonisch vereinbarten Terminen mit den Hauseigentümern wurden im Schnitt deutlich längere und intensivere Gespräche geführt (s. Tabelle), die auch für beide Seiten erfreulich verliefen und immer im Haus stattfanden. Die Berater fühlten sich deutlich mehr willkommen als bei der ersten Runde.
Auswertung der Kurzprotokolle:
Ergebnisse aus der Evaluation und Erfolge:
Die Energieberater führten im ersten Quartier (479 Adressen) 137 Beratungsgespräche, im zweiten (444 Adressen) 101. Damit wurden 29% bzw. 23% der Haushalte erreicht, in der zweiten Runde fast nur Hauseigentümer. In der dritten Runde wurden von 445 Adressen 94 Hauseigentümer für ein Gespräch erreicht (21%).
Die ersten beiden Energiekarawanen sind auch durch Telefoninterviews evaluiert worden. Die Ergebnisse sind erfreulich. Lob und Zustimmung von mehr als 80% der interviewten Personen, auch von denen, die nicht beraten werden wollten. Für 2/3 der Beratenen war es das erste Beratungsgespräch zum Thema Energie. Soweit die Übereinstimmungen. Die telefonische Kontaktaufnahme durch die Berater machte die zweite Runde erfolgreicher. Es wurden die jüngeren Eigentümer (58 statt 62 Jahre) erreicht, die auch interessierter waren und die längeren Gespräche führten (58 Minuten statt 36). Für uns aber ganz wesentlich war die Motivation, Maßnahmen umsetzen zu wollen. Das haben in der zweiten Runde 2/3 der Beratenen vor, während es in der ersten nur 1/3 war.
Aus der Erfahrung wissen wir, dass von der ersten Beratung und dem Willen zur Sanierung bis zur realisierten Maßnahme ein längerer Zeitraum vergehen kann. Man wartet auf einen Mieterwechsel in der Dachgeschosswohnung oder bis die Kinder ausgezogen sind, um das Dach zu sanieren, auf die Genesung eines Angehörigen im Haus, den man vor Lärm und Stress bewahren möchte, die Zuteilung eines Bausparvertrags, die Entwicklung der Energiepreise.
In der "Zwischenzeit" werden die beratenen Hauseigentümer weiter durch das Brundtlandbüro betreut und mit aktuellen Informationen versorgt. Über das städtische Förderprogramm "Wärmetechnische Sanierung" werden die Viernheimer Akteure beobachten können, ob aus den ausgewählten Quartieren vermehrt Anträge eingehen.
Die Vorgehensweise wird im engen Kontakt mit den Beratern ständig optimiert. So gab es in der dritten Runde, die am 22.3.10 startete, zusätzlich ein Formblatt mit einer Handlungsempfehlung für die beratenen Hauseigentümer. In diesem werden die empfohlenen Maßnahmen zur Sanierung aufgelistet und dabei in Sofortmaßnahmen, mittelfristige (3-5 Jahre) und langfristige (10 Jahre) unterschieden. Diese kurze Dokumentation verbleibt bei den Hauseigentümern.
Kosten und Finanzierung:
Für die Hauseigentümer war/ist die Energiekarawane kostenlos. Die dritte Runde wurde zu 50% durch CO2NTRA - eine Klimaschutzinitiative der SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG gefördert.
Ausblick:
Die Viernheimer Energiekarawane ist ein Pilotprojekt für die Metropolregion Rhein-Neckar. Die regionalen Akteure für den Bereich Energie haben den Wert der Energiekarawane als motivierende und informative Kampagne bereits erkannt. Viernheim hat angeboten, weitere Städte in der Region bei der Durchführung von Energiekarawanen zu unterstützen. Die ersten Interessenten haben sich bereits gemeldet.
Für Viernheim ist eine vierte Runde für den Herbst 2010 vorgesehen, erneut mit der Unterstützung der SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG.
Die Energiekarawane findet Resonanz in der Fachpresse. So berichtet die PLANERIN auf vier Seiten in der Juni-Ausgabe 2010 und widmet der Energiekarawane die Titelseite für das Heft mit dem Schwerpunktthema Klimaschutz. Die GEB (Gebäudeenergieberater) berichtet in der Mai-Ausgabe 2010. Beide Artikel finden Sie im Anhang an diesen Bericht.
Anlagen:
|
|
308 K |
|
|
|
1.6 M |
|
|
|
751 K |

