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21.5.2012 : 10:15 : +0200

Essstoerungen

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Die sechs häufigsten Fragen

Bin ich essgestört?

Die am meisten gestellte Fragen ist sicher die: Bin ich überhaupt essgestört? Viele Mädchen kennen Berichte aus dem Fernsehen, in denen über ständige Fressattacken von Bulimikerinnen berichtet wird und über Magersüchtige, die weniger als 40 Kilo wiegen.  

Das sind die Fakten, die sich in den Köpfen festsetzen. Und so haben viele Betroffene zwar das Gefühl: irgend etwas stimmt nicht mit mir! Aber sie zweifeln daran, ob sie wirklich essgestört sind, haben vielleicht sogar Angst, mit ihren Problemen nicht ernst genommen zu werden. 

Natürlich gibt es Kriterien, nach denen Mediziner/innen entscheiden, ob eine/r essgestört ist oder nicht. Meiner Ansicht nach sind diese Kriterien für Betroffene erst einmal relativ egal.  

Wenn du selbst das Gefühl hast, dass irgend etwas nicht mit dir stimmt, dann solltest du dir Hilfe suchen. Wenn du das Gefühl hast, dass die Themen Essen und Hungern ständig in deinem Bewusstsein sind, wenn du unglücklich und verzweifelt bist, wenn du das Gefühl hast, dein Essverhalten nicht unter Kontrolle zu haben, dann solltest du dir Hilfe suchen. Unabhängig davon, wie viel oder wenig du wiegst. Denn unabhängig davon, ob du nun "essgestört" bist oder nicht: es geht dir nicht gut und das solltest du ändern!

Bin ich untergewichtig? Was ist denn überhaupt ein "normales" Gewicht?

Wie wird nun das "Normalgewicht" berechnet?  

Noch immer spukt in den Köpfen das sogenannte Idealgewicht herum, das 1959 von einem Lebensversicherungsagenten "erfunden" wurde. Das "Idealgewicht" wurde nach der simplen Formel Körpergröße minus 100 minus 10% berechnet, die natürlich Unfug ist. Heute weiß man, wie unsinnig es ist, alle Menschen - unabhängig von Körperbau etc - in das gleiche Schema pressen zu wollen. Die wenigstens Menschen hatten auch dieses sogenannte Idealgewicht, was viele natürlich frustrierte...  

Inzwischen wird das "Normalgewicht" mit Hilfe des sogenannten Body Mass Index (BMI) berechnet. Die Formel lautet: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch (Körpergröße in Meter zum Quadrat). Wenn du also 1,72 groß bist und 67 Kilo wiegst, dann berechnest du deinen BMI so: 67 geteilt durch (1,72 x 1,72)= 22,64. Dein BMI beträgt 22,64. 

Für Erwachsene gelten folgende Richtwerte:

  • Als "normal" gilt ein BMI von 20 bis 25
  • Mehr als 25 gilt als Übergewicht
  • Mehr als 30 gilt als schweres Übergewicht
  • Bei einem BMI unter 19 hast du Untergewicht
  • Ein BMI von 17,5 und weniger ist ein Diagnosekriterium von Magersucht

Für Kinder und Jugendliche sind die Zahlen etwas niedriger - wenn ihr genaue Infos haben wollt, dann schreibt uns eine E-Mail.  

Wenn du bei einer Größe von 1,72 also ein Gewicht von 49 Kilo hast, so entspricht das einem BMI von 16,56!!! Und das ist erschreckend wenig! Wenn du so ein niedriges Gewicht hast, dann solltest du auf jeden Fall zu einer Ärztin/ einem Arzt gehen und dich untersuchen lassen. Außerdem solltest du drüber nachdenken, warum du so wenig wiegst und solltest dir so schnell wie möglich Hilfe suchen! Mach dir klar, dass du bei dieser Größe zwischen 59 und 73 Kilo wiegen kannst und immer noch im Normalbereich liegst! Aber weniger als 56 Kilo solltest du auf gar keinen Fall wiegen!  

Wir haben Euch eine Link zu einem Online BMI-Rechner eingefügt, hier könnt Ihre ganz einfach ermitteln wie Euer BMI ist.

Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenster Hier geht´s zum Online BMI-Rechner

Ich will nicht, dass meine Eltern etwas merken. Was soll ich tun?

Manche Mädchen haben Angst, dass ihre Eltern etwas von ihren Problemen bemerken könnten und suchen deshalb keine Hilfe. Das ist schade, denn so wird die Situation natürlich schlimmer. 

Wichtig ist auf jeden Fall sich einen Menschen zu suchen, dem man vertraut. Wenn es nicht die Eltern sind, dann kannst du dich vielleicht an eine Verwandte oder Freundin oder an die Vetrauenslehrerin deiner Schule wenden. Viele Schulen haben inzwischen auch Suchtbeauftragte und die sollten sich auch mit Essstörungen auskennen. 

Wichtig ist, dass du mit deinen Problemen nicht alleine bleibst!

Je nachdem wie schlecht es dir geht, brauchst du vielleicht auch professionelle Hilfe. Es gibt in jeder größeren Stadt Beratungsstellen, an die du dich wenden kannst und die dich - meist kostenlos - beraten.

Manche Beratungsstellen wollen für die Beratung ein Honorar haben, das solltest du vorher abklären. Und wenn du das Geld nicht hast, dann solltest du das ansprechen und fragen, ob du die Beratung billiger oder kostenlos haben kannst. 

Wenn du älter als 14 Jahre bist, dann gilt für dich die ärztliche Schweigepflicht genauso wie für Erwachsene! Mediziner/innen oder Psycholog/innen, die dich beraten, dürfen also ohne deine Einwilligung keine Informationen an deine Eltern weitergeben. Es wäre also falsch, nur aus Angst vor den Eltern keine Hilfe zu suchen!  

Wie finde ich Hilfe?

Tipps, wie und wo du Hilfe bekommen könntest, findest Du im Internet. Dort findest du Links zu anderen Seiten und zu Organisationen, die dir weiterhelfen können. Weiter unten haben wir einige hilfreiche Links eingefügt. Außerdem findest du Listen und Suchmaschinen, die Auskunft über Beratungsstellen in deiner Nähe geben.

Du kannst auch mit allgemeinen Suchmaschinen wie zum Beispiel nach Beratungsstellen in deiner Nähe suchen, in dem du zum Beispiel die Schlagwörter "Essstörungen, Beratung" und den Namen deiner Stadt eingibst.

Wenn du so keine Organisation in deinem Wohnort findest, hilft meistens ein Anruf beim Gesundheitsamt deiner Stadt.  

Ich habe Angst davor in eine Beratungsstelle zu gehen? 

Die Angst in eine Beratungsstelle zu gehen haben sehr viele. Oftmals steht einfach nur Unsicherheit dahinter: Viele Mädchen wissen nicht so recht, was sie in einer Beratung erwartet und können sich die Situation einer Beratung gar nicht vorstellen. Wenn es dir auch so geht, dann mach dir folgendes klar:

Eine Beratung soll gut für DICH sein. Du sollst dich wohl fühlen und wenn du das nicht tust, dann hast du das Recht jederzeit wieder zu gehen. Frag dich also mal, ob du irgendwas zu verlieren hast, wenn du in eine Beratungsstelle gehst: Im schlimmsten Fall ärgerst du dich hinterher über die Beraterin, aber mehr kann dir doch eigentlich nicht passieren, oder? Wenn du dich aber wohl fühlst, wenn du auf eine gute Beraterin triffst, dann kann dir eine Beratung sehr weiterhelfen!  

Wenn du dich entschieden hast eine Beratungsstelle zu besuchen, dann sag deiner Beraterin am besten gleich, dass du Angst vor der Beratung hast. Das ist ein ganz guter Einstieg, denn deine Beraterin merkt, dass du ehrlich bist und kann dir besser helfen als wenn du deine Angst krampfhaft überspielst.  

Meine Freundin ist essgestört - Was soll ich tun?

Es kommt immer wieder vor, dass uns verzweifelte Angehörige oder Freund/innen von Essgestörten schreiben. Vielleicht bist auch du in dieser Situation: du weißt oder vermutest, dass deine Freundin essgestört ist, du weißt aber nicht, was du tun kannst. Leider gibt es hier überhaupt keine pauschale Antwort und es ist erst einmal wichtig, dass du herausfindest, wie die Situation nun wirklich aussieht.

  • Kann deine Freundin offen mit dir über ihre Probleme reden?
  • Will sie Hilfe haben und weiß nur nicht wie?
  • Signalisiert sie nach außen, dass es ihr schlecht geht und lehnt aber jedes Hilfsangebot ab?     

Versuche in Gesprächen herauszufinden, wie es deiner Freundin geht und was sie sich von dir wünscht.

Dabei ist es aber ganz wichtig, dass du auch auf dich und deine Gefühle aufpasst!!!  

Viele Angehörige sind - berechtigterweise, natürlich - so besorgt, dass sie gar nicht mehr auf ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse achten. Sie opfern sich auf, sind ständig für die Essgestörte da und übernehmen allmählich immer mehr die Rolle der hilflosen Helferin. 

Pass auf, dass du diesen Fehler nicht auch machst: du tust weder dir noch deiner Freundin etwas Gutes damit! 

Ganz hilfreich kann es sein, wenn du auch von dir und deinen Gefühlen redest:  Mach ihr klar, dass du dir Sorgen machst und mach ihr auch klar, dass du mit dieser Belastung nicht alleine bleiben möchtest! 

Denk einmal darüber nach, ob du dich nicht an eine Beratungsstelle wenden möchtest. Auch wenn du "nur" eine Freundin bist, kannst du dich dort beraten lassen. Vielleicht hilft es dir, Klarheit über deine Situation zu bekommen. Und wenn dir die Beratung gut getan hat, kannst du ja vielleicht auch deine Freundin überzeugen, dass auch sie dort Hilfe bekommen kann.  

Links zum Thema Essstörungen:

undefinedwww.magersucht-online.de

undefinedwww.magersucht.de

undefinedwww.bzga-essstoerungen.de

http://www.overeatersanonymous.de/