14 Tage - 14 Leistungen: Was leistet eine selbstverwaltete Stadt?

heute: Global denken - lokal Handeln: Vorbild im Klimaschutz

  • bundesweite Innovation
  • besonders kosteneffizient
  • nur mit Selbstverwaltung möglich

Was nützt es der Allgemeinheit, wenn eine Stadt -wie in diesem Falle als Vorreiter für Hessen- vorangeht?

Energie sparen - Geld sparen - Emissionen sparen

Mit der konsequenten Viernheimer Klimaschutzstrategie lassen sich diese drei Aspekte unter einen Hut bringen. Das funktioniert in den städtischen Gebäuden genauso wie in den privaten Haushalten. Aber nicht ohne kommunale Initiative.
Die Stadt selbst geht mit gutem Beispiel voran. Durch konsequentes Energiemanagement konnten in den letzten 15 Jahren über 3 Mio. Euro Energiekosten eingespart werden. Verbunden damit ist eine CO2-Minderung von gut 30%. Erschließen lässt sich dieses Sparpotenzial aber nur mit Hilfe eines Spezialisten. Dieser spielt seine Personalkosten und die Investitionen bequem wieder ein.


Aber auch die Bürgerinnen und Bürger sollen in die Lage versetzt werden, die Einsparpotenziale ihrer Häuser und Wohnungen zu erkennen und umzusetzen. In dem Dschungel aus technischen Möglichkeiten und Förderprogrammen brauchen sie jemanden, der einen Weg aufzeigt. Das geschieht durch eine neutrale (anbieterunabhängig und ohne Verkaufsinteresse) Beratung im Brundtlandbüro. Besondere Wertschätzung bei den Bürgern erfährt die städtische Beratung durch Ihre bürgerverständliche Form. Auf Wunsch wird eine EDV-gestützte Energieanalyse angefertigt, die die möglichen Heizsysteme und Dämm-Maßnahmen aufzeigt und berechnet, ob sie wirtschaftlich sinnvoll sind. Oft lohnen sich bei älteren Gebäuden auch aufwändige Maßnahmen mit Investitionen von 80.000 € und mehr. Werden diese umgesetzt, profitieren die lokalen und regionalen Handwerker und Hersteller. Natürlich auch der Klimaschutz. Aber auch der Hauseigentümer, der eine sichere Investition ins eigene Haus vorgenommen hat und diese mit den eingesparten Hauskosten (teil-) finanzieren kann.


Mit motivierenden und informativen Aktionen wie der Energiekarawane sollen mehr Hauseigentümer motiviert werden ihr Gebäude zu sanieren. Mit Erfolg: Mehr als 60% der beratenen Hauseigentümer, die sich an der Evaluation beteiligt hatten, haben ein Jahr nach der Beratung bereits eine oder mehrere Maßnahmen umgesetzt oder eine Umsetzung geplant. Setzt man je Haushalt mit Maßnahmenumsetzung nur eine Summe von 10.000 € an, bedeutet das, bezogen auf die bislang 7 Viernheimer Energiekarawanen, eine Investition von 3,8 Mio. €. Dadurch leistet die Energiekarawane einen starken Impuls zur Steigerung der Sanierungsquote und damit auch zur lokalen und regionalen Wirtschaftsförderung.


Die Energiekarawane ist übrigens ein Exportschlager. Bislang haben 80 Karawanen in der Metropolregion stattgefunden. Augsburg (plus zwei benachbarte Landkreise), die Stadt Emmendingen und der Landkreis Kitzinger Land werden für diesen Herbst EK organisieren. Rheinland-Pfalz wird in 2015 landesweit an den Start gehen. Es liegen konkrete Anfragen aus Stuttgart, München und der Städteregion Aachen vor. So wird die Brundtlandstadt in ihrem Jubiläumsjahr ihrer 1994 ausgezeichneten Vorbildrolle im Klimaschutz abermals gerecht.


Brief des Tages:



Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Frau Ministerin Priska Hinz
Mainzer Straße 80
65189 Wiesbaden


Datum: 8. Oktober 2014



Klimaschutz & Selbstverwaltung


Sehr geehrte Frau Staatsministerin,

im Jahr 1994 hat das Land Hessen unserer Stadt in Anerkennung einer ökologischen Stadtentwicklung den Titel "Brundtlandstadt" verliehen. Damit verbunden war die Vergabe erheblicher Fördergelder. Viernheim sollte für die Zukunft eine Vorbildrolle beim Klimaschutz und beim Energiesparen einnehmen.

Nach wie vor werden wir dieser Rolle gerecht. Auch nach Auslaufen der Fördergelder des Landes haben wir das eigene auch finanzielle Engagement nicht beendet, sondern fortgesetzt und ausgebaut. Jüngstes Kind der Viernheimer Innovationsfreude sind die Energiekarawane, das anerkannt beste Mittel, um private Hauseigentümer zu Energiespar-Investitionen zu motivieren und ein in Bürgerbeteiligung erarbeitetes Energie- und Klimaschutzkonzept für die nächsten Jahre.

Die bisherige Innovationskraft hatte eindeutig die kommunale Selbstverwaltung zur Systemgrundlage. Aufgrund der problematischen Finanzierungssituation der Städte und Gemeinden in Hessen ist diese Innovationskraft für die Zukunft erheblich in Gefahr. So steht zu befürchten, dass Klimaschutz in einer Stadt von Seiten des Landes als rein freiwillige Aufgabe betrachtet wird. Wir halten dies -in Anbetracht der nach wie vorhandenen globalen Herausforderungen beim Klimaschutz- für eine falsche politische Prioritätensetzung.

Im Hinblick auf die im Jahr 2015 neu zu regelnde kommunale Finanzierung würden wir uns freuen, wenn Sie sich gemeinsam mit uns auf Landesebene für eine sinnvolle Finanzierungsgrundlage einsetzen würden.

Mit freundlichen Grüßen



Matthias Baaß
Bürgermeister

Jens Bolze
1. Stadtrat