Aktion Lucia: Mehr Licht ins dunkle Kapitel "Brustkrebs in Deutschland"

Die Defizite der deutschen Brustkrebsmedizin müssen beleuchtet, erkannt und verändert werden.

Im Foyer des Viernheimer Rathauses leuchten am Montag, den 1. Oktober 2018 von 9-12 Uhr 50 Lichter, - diese stehen für 50 Frauen, die jeden Tag in Deutschland an Brustkrebs sterben. So war es gestern und vorgestern, so wird es auch morgen und übermorgen sein - Tag für Tag. Für jede Frau, die täglich stirbt, zünden wir an diesem Aktionstag ein Licht an - überall in Deutschland, auch in Viernheim.
Lucia heißt Lichtträgerin. Alle Lichter zusammen symbolisieren unser brennendes Anliegen: Nicht stumm sterben - Laut leben.

Die Aktion Lucia findet jährlich am 1. Oktober anlässlich des Brustkrebsmonats in zahlreichen Städten Deutschlands, wie auch in Viernheim, statt. 50 Kerzen stehen symbolisch in Gedenken an die etwa 50 Frauen, die täglich in Deutschland an Brustkrebs sterben. Jahr für Jahr fallen ca. 18.000 Frauen diesem Krebsleiden zum Opfer. All den Frauen soll an diesem Tag gedacht werden. Eine Kerze brennt dabei für Dr. Regine Hildebrandt, die Schirmherrin und Initiatorin der "Aktion Lucia". Leider verlor sie kurz nach der Gründung im Jahr 2001 ihren Kampf gegen den Brustkrebs.

Aktion Lucia soll mehr Licht ins dunkle Kapitel "Brustkrebs in Deutschland" bringen.

  • mehr Licht ins Dunkel der Ursachenforschung
  • mehr Licht in die Früherkennung
  • mehr Licht in die Lücken der Versorgungskette
  • mehr Licht in den Sparkurs der Nachsorge
  • mehr Licht in das Krebsregister

Veranstalterin:

Frauenbüro der Stadt Viernheim
Kettelerstr. 3, 2. OG Zimmer 200
68519 Viernheim
Tel. (06204) 988-361 & -364
Fax (06204) 988-300
frauenbuero(at)viernheim.de
www.viernheim.de

UnterstützerInnen:

KISS, VHS, Familienbildungswerk, Viernheimer Selbsthilfegruppe "Leben mit und nach Krebs" & dem Frauengesundheitsnetzwerk der Metropolregion Rhein-Neckar

AKTION LUCIA 2018 - Lichter gegen Brustkrebs
NICHT STUMM STERBEN - LAUT LEBEN


Jahr für Jahr fallen 18.000 Frauen diesem Frauenkiller zum Opfer.

Für jede Frau, die heute gestorben ist, brennt ein Licht - überall in Deutschland. Eine Kerze brennt für Regine Hildebrandt, die 2001 als Schirmfrau die AKTION LUCIA mit auf den Weg gebracht hat und nur acht Wochen später ihren tapferen Kampf gegen den Brustkrebs verlor.
Der Oktober ist weltweit der Aktionsmonat gegen Brustkrebs. In Deutschland findet eine Vielzahl von Informationsveranstaltungen statt. Mit einem gemeinsamen Start wollen wir auf den Aktionsmonat aufmerksam machen.

MEHR LICHT in die Betrübnis der Früherkennung

Wir müssen uns darauf verlassen können, dass Beschlüsse des Bundestages auch umgesetzt werden - und zwar ohne Qualitätsabstriche und Zugeständnisse an die verfasste Ärzteschaft oder landespolitische Interessen. Die Richtlinien zur Umsetzung des parteiübergreifenden und einstimmigen Beschlusses vom Juni 2002 über die Einführung des Mammografie-Screenings nach EU-Leitlinien wurden bereits im Januar letzten Jahres von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung veröffentlicht. Doch es gibt noch längst keine bundesweite Umsetzung. In Baden-Württemberg ist beispielsweise noch nicht einmal ein Arzt-/Ärztinnenkontakt vorgesehen. Es ist nicht absehbar, wann die Früherkennung nach den europäischen Leitlinien in allen Bundesländern eingeführt wird. Ein unerträglicher Zustand, der inzwischen jedes Jahr 3.500 Frauen in Deutschland das Leben kostet.

MEHR LICHT in den Dschungel der Krebsregister

Wir brauchen zuverlässige Zahlen. Solange es in Deutschland keine bundesweite Datenerfassung zu (Brust-) Krebs und keine einheitlichen bevölkerungsbezogenen Krebsregister gibt, ist weder eine Ursachenforschung noch eine Qualitätssicherung von Früherkennung (Mammographie-Screening) und Therapie möglich. Der Flickenteppich unserer verschiedenen Landeskrebsregister ist erbärmlich. In Baden-Württemberg werden seit drei Jahren gar keine Daten mehr erfasst. Es ist notwendig, dass die Daten in ganz Deutschland erfasst werden und bundesweit, bestmöglich europaweit, verglichen werden können.

MEHR LICHT in die Brustzentren

Wir haben inzwischen in Deutschland eine große Verwirrung, wenn es um Brustzentren geht: Noch immer können sich Kliniken einfach zum Brustzentrum ernennen, ohne irgendeinen Qualitätsnachweis erbringen zu müssen. Daneben gibt es die so genannte DMP-Brustzentren der Krankenkassen, deren Qualität in den einzelnen Bundesländern extrem schwankt und die mancherorts ohne externe Prüfung "geadelt" werden. Die Dritten im Bunde sind die Einrichtungen, die nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft und Gesellschaft für Senologie zertifiziert sind. Deren Messlatte bleibt jedoch noch immer deutlich hinter den Qualitätsanforderungen der EUSOMA (European Society of Mastology) zurück. Wir werden deshalb nicht müde zu fordern, dass deutsche Brustzentren deren hohen Qualitätsstandard künftig erreichen müssen.

MEHR LICHT in die Lücken der Versorgungskette

Wir brauchen ein verlässliches Team an ÄrztInnen, in dem Jede und Jeder in seinem Fach (Gynäkologie, Radiologie, Pathologie, Strahlentherapie, Onkologie) ein/e Brustkrebsexperte/in ist und gleichzeitig ein Mensch, der auch in der Lage ist, vernetzt (interdisziplinär) zu arbeiten. Alle an der Entdeckung und Behandlung beteiligten medizinischen Fachrichtungen müssen endlich lernen, dass die Kompetenz aller ÄrztInnen und die Bedeutung eines jeden Fachgebietes gleich groß sind. Eitelkeiten einzelner Ärzte oder ganzer Fachgebiete, die eine notwendige interdisziplinäre Zusammenarbeit verhindern, kosten uns Frauen das Leben. Auch müssen neue Strukturen geschaffen werden, um die (Kommunikations-) Lücken zwischen der stationären und ambulanten Versorgung zu schließen. Ob die Disease-Management-Programme (DMP) der Krankenkassen sowohl die Lücken der interdisziplinären Zusammenarbeit als auch in der ambulant-stationären Kette schließen können, lässt sich wegen fehlender Transparenz, zu großen Unterschieden zwischen den verschiedenen Programmen und fehlender externer Qualitätskontrollen nicht beurteilen.

MEHR LICHT in das Ränkespiel der Macht

Wir müssen mitreden und mitentscheiden. Die Interessenkonflikte und Machtkämpfe zwischen Politik, ÄrztInnenschaft, Krankenkassen und Pharmaindustrie dürfen nicht länger auf dem Rücken der BürgerInnen und PatientInnen ausgetragen werden. Um dies zu verhindern, muss gesetzlich garantiert werden, dass künftig in allen Entscheidungsgremien des Gesundheitswesens PatientInnen-Initiativen gleichberechtigt vertreten sind.

Den Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitswesen möge ein Licht aufgehen!