AWO-Jugend- und Suchtberatung PRISMA / Aktion "Brauchen Spieler Schutz?": 29,5 Millionen Euro werden monatlich in hessischen Spielhallen verspielt

Fachberatung für Glückspielsucht bietet Hilfe an Suchtberatung: "Viernheimer Ordnungsamt agiert bei Kontrollen und Gesetzesverstößen vorbildlich!"

58.000 Menschen in Hessen - darunter ca. 500 Viernheimer - sind spielsüchtig. 75% der Glücksspielenden bevorzugen Glückspielautomaten. Davon wird jeder 12. Automatenspieler zum Problem- oder Suchtspieler. Jeder zweite Euro in Spielautomaten wird von einem Spielsüchtigen verspielt. Deshalb brauchen Spielsüchtige Hilfe, denn die Folgen sind katastrophal: psychische und physische Erkrankung, Arbeitsplatzverlust, finanzielle Probleme, Privatinsolvenz, Beschaffungskriminalität, Trennung und Scheidung. Glückspielsüchtige haben die höchste Selbstmordrate aller Suchtkranken.

Im Rahmen eines Pressegespräches zusammen mit Bürgermeister Matthias Baaß und Ordnungsamtsleiter Volker Klein machten Kerstin Ewald-Koizumi, Fachberaterin für Glücksspielsucht, sowie Eva Spaniol, Leiterin der AWO-Jugend- und Suchtberatung PRISMA im Kreis Bergstraße und Odenwaldkreis auf dieses große gesellschaftliche Problem aufmerksam. Mit der Aktion "Brauchen Glücksspieler Schutz?" wollen sie für mehr Aufmerksamkeit sorgen, die Menschen für dieses Thema sensibilisieren und vor allem Hilfe anbieten. "Die Dunkelziffer ist sehr hoch. In Bensheim und Lampertheim bieten wir offene Sprechstunden an und versuchen, mit den Betroffenen eine Lösung zu finden", so Eva Spaniol.

Anerkennende Worte fanden die beiden Suchtberaterinnen für die Arbeit des Viernheimer Ordnungsamtes, das fast wöchentlich auf Kontrollgang ist, Druck auf Einhaltung der Vorschriften ausübt und bei Verstößen saftige Bußgelder zwischen 500 bis 1.000 Euro verhängt. Manchmal ist noch ein schmerzlicher Eintrag ins Gewerbezentralregister fällig. Selbstverständlich erhebt die Stadt Viernheim auch Spielapparatesteuer. "Wir liegen immer am Höchstsatz dessen, was rechtlich durchsetzbar ist. Das führt in der Regel dazu, dass wir fast mit jedem Betreiber vor Gericht ziehen", betonte Bürgermeister Matthias Baaß. Alleine im Jahr 2015 nahm Viernheim rund 991.000 Euro ein. Der Steuersatz beträgt 20% der Bruttokasse der Automaten. Auch für die in Gaststätten aufgestellten Spielautomaten wird entsprechende Steuer angefordert.

Das noch gültige hessische Spielhallengesetz wird sich ab 30. Juni 2017 ändern. Spielhallenkonzessionen müssen dann neu beantragt werden. Vorgesehen ist ein Verbot von Mehrfachkonzessionen (mehrere Spielhallen in einem Gebäude). Und der Mindestabstand zwischen Spielhallen und Jungendeinrichtungen muss mindestens 300 Meter Luftlinie betragen. Bei Eröffnung einer neuen Spielhalle wird die Automatenzahl auf maximal 12 limitiert. Das hat auch Auswirkungen auf Viernheim. Derzeit gibt es vier Spielhallen mit 84 Geräten. Nach der Umsetzung des Gesetzes wird es nur noch 60 Geräte geben. Auch in Gaststätten sind Automaten aufgestellt, pro Gaststätte sind drei Geräte zugelassen.

Weitere interessante wie traurige Fakten:

  • statistisch gesehen haben rund 500 Viernheimer ein problematisches bis krankhaftes Spielverhalten.
  • Der Automat gewinnt immer! Deshalb ist das Automatenglücksspiel ein lohnendes Geschäft - allerdings nur für die Spielhallenbetreiber. Sie machen mit der Spielsucht enorme Gewinne. Schätzungsweise erwirtschaftet ein Automat 3.000 Euro im Monat.

Das Spiel anhalten! PRISMA hilft dabei. Die Leistungen sind kostenfrei

PRISMA-Beratungsangebot

  • Einzelgespräche für Betroffene und Angehörige, unter anderem zu den Themen Spieldruck und Rückfälle, Verhaltensänderung, Partnerschaftsprobleme, Verschuldung etc.
  • Vermittlung in ambulante und stationäre Rehabilitation bzw. Selbsthilfegruppen
  • Stabilisierung nach der Therapie (Nachsorge)

PRISMA-Präventionsangebot

  • Vorträge, Informationsveranstaltungen zur Problematik von Glücksspielen
  • Mitarbeit in Gremien zur Gesundheitsfürsorge
  • Intensive Vernetzung regionaler Hilfsangebote
  • 29,5 Millionen Euro werden pro Monat in Hessischen Spielhallen verspielt!

Auch Angehörige und Freunde, die Rat und Informationen über Spielsucht in ihrem familiären oder sozialen Umfeld suchen, können sich an PRISMA wenden, die mit Fachkliniken, Rechtsanwälten, Schuldnerberatungen und weiteren sozialen Diensten kooperiert.

Über das Beratungstelefon erhält man fachkundige und professionelle Suchtberatung, auf Wunsch vereinbaren wir einen Gesprächstermin.

Die Leistungen sind kostenfrei. PRISMA unterliegt der Schweigepflicht. Auf Wunsch kann man Angebote auch anonym in Anspruch nehmen. PRISMA Beratungstelefon: 06251 6 45 65.

Beratungsstelle im Kreis Bergstraße / Odenwald

Die Jugend- und Suchtberatungsstelle PRISMA ist eine von dreizehn Beratungsstellen im hessischen Modellprojekt zur Glücksspielsuchtprävention und -beratung. PRISMA berät und unterstützt Betroffene und deren Angehörige und klärt Interessierte über Glücksspiel und deren Gefahren auf.

Kontakte:
PRISMA Beratungsstelle Bensheim
AWO Jugend- und Suchtberatung
Zeller Straße 3, 64625 Bensheim

PRISMA Beratungsstelle Erbach
Suchthilfezentrum des DRK Odenwaldkreises
Bahnstraße 43, 64711 Erbach

Tel. 06251 6 45 65
Mobil: 0151 15 69 14 89