Forum der Religionen: Ausstellungseröffnung „Der Koran – Das heilige Buch der Muslime“

Sich begegnen und selbst ein Bild machen

Begegnung, Kennenlernen, Wissensaustausch, Abbau von Vorurteilen. Unter diesem Kontext steht die am vergangenen Mittwochabend (14. September) in der Kulturscheune eröffnete Ausstellung „Der Koran – Das heilige Buch der Muslime“ (wir berichteten), die noch bis Ende November zu sehen ist. Präsentiert werden 78 Korane, Teilkorane sowie Fragmente und Einzelblätter, teils im Original, teils in wunderbaren Faksimileausgaben aus verschiedenen Jahrhunderten und unterschiedlichen Weltregionen. Zur Verfügung gestellt werden die Exponate aus dem eigenen Bestand von Herbert Kempf, der bereits mehrere historische Ausstellungen konzipiert hat und gleichzeitig christliches Mitglied im Forum der Religionen und Ideengeber der besonderen Ausstellung ist.

„Mit dem Interreligiösen Dialog die friedliche und konstruktive Zusammenarbeit der verschiedenen Religionsgruppen im Gemeinwesen fördern und damit einen wertvollen Beitrag zum größeren Verständnis, zum Wissensaustausch und Kennenlernen der Menschen in der Stadt leisten, das ist der Auftrag des Viernheimer Forums der Religionen im Auftrag der Stadt Viernheim, dem wir uns gerne stellen“, führte Dr. Gerd Baltes, pädagogischer Leiter des Vereins Lernmobil e. V. und Leiter des Forums der Religionen in seiner Begrüßungsrede aus. Gerade die Veranstaltungsreihe „Woche der Vielfalt“ zeige die gelebte Vielfalt in Viernheim auf. „Dazu will auch diese Ausstellung beitragen, verbunden mit der Hoffnung, viele Menschen damit erreichen zu können“.

Sprichwörtlich „stolz“ äußerte sich Bürgermeister Matthias Baaß in seiner Ansprache, dass es dieses Forum gibt, welches Dr. Gerd Baltes bei ihm vor einigen Jahren angeregt hatte und nach Kommunikation mit allen Religionsgemeinschaften, ob ein Interesse einer Teilnahme bestünde, durch das Stadtoberhaupt auf den Weg gebracht wurde. „Sich zu begegnen und sich selbst ein Bild zu machen sind grundlegend für ein gutes Miteinander vieler Kulturen und Nationen in einer Stadt wie Viernheim –die Ausstellung lädt genau hierzu ein“, so Baaß. Ein besonderer Dank des Bürgermeisters ging an alle Mitarbeitenden im Forum für deren  Engagement, insbesondere an Herbert Kempf, der seine „Schätze“ eigens für diese Ausstellung bereitstellt.

Menschen zusammenbringen und für gegenseitiges Verständnis werben

Dass die respektvolle Zusammenarbeit dieses Arbeitskreises selbst und die daraus entstandene Ausstellung ein gelungenes Beispiel für ein tolerantes und weltoffenes Miteinander ist, davon konnten sich auch die zahlreichen Gäste bei der Ausstellungseröffnung überzeugen. Denn neben Mitgliedern des Forums der Religionen und Vertreterinnen und Vertretern der Stadtverwaltung waren auch Şerif Aslan, Vorstandsvorsitzender des Regionalverbands Rhein-Neckar-Saar der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş e.V. (IGMG), Sıddık Yıldırım, Religionsattaché des Türkischen Generalkonsulats Frankfurt, Prof. Dr. Franz Egle, Stellvertretender und geschäftsführender Vorsitzender vom Deutsch-Türkischen Institut für Arbeit und Bildung e. V. (DTI), Imame und weitere Vertreter der beiden Viernheimer Moscheegemeinden der Sultan Ahmet Moschee und der Eyüp Sultan Moschee sowie der muslimischen Nachbargemeinden vertreten.

In seiner Rede ging Şerif Aslan auf die große Bedeutung des Korans für die Muslime ein, der ein Begleiter und Wegweiser sei, Trost spende, Mute mache und Impulse zur Selbstreflexion gebe. Er ist überzeugt: „Der Glaube stellt einen wichtigen Faktor menschlicher Identität dar – sowohl für den einzelnen Menschen als auch für Gemeinschaften. Dabei setzt gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe zumindest ein Grundverständnis der prägenden Religionen voraus. Diese Ausstellung ist ein wunderbarer Weg, Menschen zusammenzubringen und für gegenseitiges Verständnis zu werben.“

Auch Sıddık Yıldırım betonte, wie wichtig es sei, Räume für Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Glauben zu schaffen. „Menschen stehen Dingen feindlich gegenüber, die sie nicht kennen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass Feindseligkeiten gegenüber Muslimen dort am häufigsten vorkommen, wo am wenigsten Austausch zwischen den Menschen herrscht.“ Aus diesen Gründen sei der Dialog zu befürworten. Er ermögliche es, einander kennenzulernen und zu respektieren. Er baue Vorurteile ab, Feindseligkeiten und Hass würden geringer werden und es folge die Zunahme von Freundschaft und Liebe.

Daher bedankten sich beide Redner ausdrücklich bei Bürgermeister Matthias Baaß, dem Kurator Herbert Kempf, Dr. Gerd Baltes, den Mitgliedern des Forums der Religionen und allen Beteiligten für die Ermöglichung dieser wertvollen Ausstellung.

Kurator Herbert Kempf zeigte im Anschluss die Komplexität der Ausstellung auf und ging im Rahmen einer Präsentation auf einige besondere Exemplare ein, die größtenteils handgeschrieben und teilweise mit prächtigen Illustrationen verziert sind. „Das Einzelblatt des blauen Korans stammt vermutlich aus Bagdad, 9./10. Jahrhundert und ist eine der prächtigsten Koranhandschriften. Das Besondere ist die kufische Goldschrift auf blauem Grund“. Weitere Exponate kommen aus Indien, Arabien, Ägypten, aber auch China, Nordafrika und Russland Die ältesten Exemplare stammen aus dem 8. Jahrhundert, so der Kurator in seinen Ausführungen.

Unterstützt wurden die Vorbereitungen zur Ausstellung durch fachliche Begleitung der beiden Viernheimer Imame Muhammed Sevinc der Sultan Ahmet Moschee und Celil Gürbüz von der Eyüp-Sultan Moschee sowie weiteren Mitgliedern der Religionsgemeinden. Gemeinsam wurden über viele Wochen hinweg alle Exponate begutachtet, wurden die in der Ausstellung zu sehenden Korantextstellen geprüft und der passende Begleittext für den Ausstellungskatalog formuliert. Die Empfehlung des Kurators: „Wer sich die Texte im Begleitkatalog in Ruhe durchliest wird feststellen, dass viele Personen und Ereignisse auch aus der Bibel bekannt sind.“

Der Koran

Für Muslime ist der Koran das Wort Gottes, seine letzte und abschließende Botschaft an die Menschen. Er steht in einer Reihe mit den großen Offenbarungsschriften des Christen- und Judentums, Evangelium, Thora und Psalter.

Die ersten Verse des Koran wurden dem Propheten Muhammad in der 27. Nacht des Monats Ramadan 610 n. Chr. herabgesandt. Nach seinem Tode im Jahre 632 n. Chr. wurden sämtliche Verse zu einem Buch zusammengetragen, dem Mushaf, der schriftlichen Fassung des Korans, wie sie heute bekannt ist. Die Praxis des Auswendiglernens der Verse nach bestimmten Leseregeln (Tadschwied) ist seitdem unter den Muslimen bis heute sehr hoch angesehen.

Der Koran für die Menschen

Der Koran umfasst 114 Kapitel, Suren genannt und rund 6666 Verse und gilt im Islam als lebenslanger Begleiter, Wegweiser und ein Zeichen für Allahs Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen. Er spendet Trost, bringt Mut und gibt Antworten auf existenzielle Fragen oder Impulse, um das eigene Handeln zu überdenken. Somit ist der Inhalt des Korans für Muslime ein intensives Gespräch mit Gott.

Aufgrund der alten und schweren arabischen Sprache sowie Wörter mit unterschiedlichen Bedeutungen kann der Koran nicht wortwörtlich verstanden und übersetzt werden. Sowohl als Muslim, aber auch als Nichtmuslim, sollte sich jedoch niemand davon entmutigen lassen, manches nicht sofort zu verstehen. Es kommt allein darauf an, sich ihm zu öffnen und ihm unvoreingenommen zu begegnen.

Begleitprogramm und Führungen

Zur Ausstellung wird begleitend ein Katalog angeboten (8 Euro), der sämtliche Exponate der Ausstellung mit erläuternden Texten über Inhalt und Herkunft des jeweiligen Exponats abbildet.

Die Ausstellung kann bis Ende November während der Öffnungszeiten der Stadtbibliothek in den Räumen der Kulturscheune (Satonévri-Platz 1) besichtigt werden: Dienstag 10 bis 17 Uhr, Mittwoch 14 bis 17 Uhr, Donnerstag 10 bis 13 Uhr und 15 bis 19 Uhr, Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 12 Uhr.

Außerdem werden fachlich begleitete Führungen durch die Ausstellung angeboten, die eigens unter der E-Mail-Adresse vereinbart werden können.

Weitere Informationen gibt es auch unter www.lernmobil-viernheim.de  oder direkt über Dr. Gerd Baltes, Telefon 06204 980 9164, E-Mail .