Gleichstellungsbüro: Stadtbibliothek erhält Medienkiste - „Faire Rollenbilder“ Geschlechter- und Familienvielfalt kindgerecht vermitteln

Kinder wachsen heute in einer von Vielfalt geprägten Gesellschaft auf. Immer mehr werden dabei gesellschaftlich geprägte Rollenstereotypen und traditionelle Familienkonstellationen aufgeweicht, vielfältig zusammengesetzte Familienformen tangieren den Kinderalltag. Dazu zählen neben Patchwork- oder Einelternfamilien auch Regenbogenfamilien – Familienformen also, in denen mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bisexuell oder transgeschlechtlich lebt. Um Fachkräfte im Kindergartenalltag beziehungsweise in der Grundschule oder Elternteile dabei zu unterstützen, geschlechtergerecht zu arbeiten und gezielt auf kindgerechte Weise Themen anzusprechen, hat das Gleichstellungsbüro vor einigen Tagen eine Medienkiste zum Thema „Faire Rollenbilder“ an die städtische Stadtbibliothek übergeben. Mit knapp 30 Büchern und einem Spiel soll Kindern spielerisch die Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und Geschlechtsidentitäten vermittelt werden. Dabei geht es um Fragen wie „Was ist Geschlecht?“, „Gibt es mehr als Mann und Frau?“, „In welcher Familie lebst du?“, „Hast Du vielleicht zwei Mamas oder Papas?“ und vieles mehr.

„Gleichstellung der Geschlechter bedeutet nicht nur Schutz vor Diskriminierung aufgrund des Geschlechts im Sinne von Frau und Mann“, so die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Viernheim Maria Lauxen-Ulbrich. In diesem Sinne ist das Thema „Faire Rollenbilder“ einer der Schwerpunkte des Gleichstellungsbüros in diesem Jahr. Darunter fällt auch die Auseinandersetzung mit den Themen Geschlechterrollen, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentitäten. „Die Menschen in Viernheim sollen breit informiert und sensibilisiert werden“, so die Gleichstellungsbeauftragte. Dabei will sie zunächst bei den ganz Kleinen anfangen, denn den in der Gesellschaft und in jeder Kindergruppe vorhandenen Vielfaltsdimensionen, den sich verändernden Lebensweisen und den damit nicht selten einhergehenden Ängsten, Vorurteilen und Ausgrenzungen sollte frühzeitig offen begegnet werden. Die Medienkiste enthält geeignete Bildungsmaterialien, die das Thema altersgerecht behandeln, offene Fragen beantworten und gelebte Familienrealitäten erklären. „Die Bücher verstehen sich nicht als Alternative zu vorhandenen Büchern. Sie sollen diese lediglich ergänzen und weitere Facetten kindlicher Alltagswelten aufzeigen“, so Lauxen-Ulbrich. Bereits im Februar wurde die Idee mit den Kita-Leitungen aller Einrichtungen in Viernheim besprochen und fand großen Anklang.

Leiterin Michaela Frößinger freute sich bei der Übergabe der Medienkiste über die Erweiterung des Bestands der Viernheimer Stadtbibliothek: „Uns lagen und liegen Bücher, die Kinder stärken, Toleranz vermitteln und den Horizont erweitern sehr am Herzen, daher vermitteln wir diese Inhalte sehr gern.“

Die Thematik findet ihre Einbindung in den Hessischen Erziehungs- und Bildungsplan. Dabei stehen folgende Aspekte im Vordergrund: die Entwicklung einer Geschlechtsidentität mit der man sich wohlfühlt, der unbefangene Umgang mit dem eigenen Körper, ein Grundwissen über Sexualität (hier: Geschlechterrolle) erwerben und offen darüber sprechen können und ein Selbstwertgefühl und positives Selbstkonzept vermitteln.

Informationen und Ausleihe
Die Medienkiste kann von Kitas und Schulen ab den Osterferien ausgeliehen werden. Außerdem bieten das Gleichstellungsbüro und die Stadtbibliothek eine Vorstellung der Medienkiste in Kita- und Schulteams an. Ebenso haben alle anderen Nutzerinnen und Nutzer mit Leseausweis Zugriff auf die einzelnen Titel der Medienkiste in begrenzter Anzahl. Gleichzeitig stehen noch weitere Bücher für Kinder zu dem Thema über die Onleihe zur Verfügung.

Die einzelnen Inhalte der Medienkiste können im Bestandskatalog der Stadtbibliothek im Internet unter stadtbuechereionline.viernheim.de mit der einfachen Mediensuche unter dem Suchbegriff „Medienkiste <Rollenbilder>“ eingesehen werden. Interessierte können sich bei Rückfragen auch direkt an die Stadtbibliothek wenden unter 06204 – 988 450 oder .

Für weitere Informationen steht das Gleichstellungsbüro gerne zur Verfügung. Gleichzeitig bietet die Gleichstellungsbeauftragte Personen aus der LSBTIQ-Community (lesbisch, schwul, bisexuell, trans*, inter*, queer), die Diskriminierung oder Ausgrenzung erfahren, eine Verweisberatung an. Kontakt unter 06204 – 988 361 oder .

Beispiele aus dem Medienkoffer

„Der Katze ist es ganz egal“ von Franz Orghandl
„Ich bin nicht anders als früher, außer, dass ich einer Verwechslung auf die Spur gekommen bin.“ Leo hat einen schönen neuen Namen: Jennifer. Woher sie ihren echten Namen kennt, weiß Jennifer selbst nicht. Aber sie ist sehr froh, eines Tages endlich mit ihm aufgewacht zu sein. Wie mit etwas, mit dem man besser atmen kann. Nur die Erwachsenen kapieren es erst mal nicht. Die glauben tatsächlich immer noch, sie wäre Leo, ein Bub. So ein Unsinn, finden der dicke Gabriel, Anne und Stella. Als weltbeste Freunde und treue Begleiterinnen beim Kaugummikauen, Schuleschwänzen, Kleiderprobieren und Sichselbstfinden sehen sie das Ganze nämlich genau wie die Katze. Die ist weder froh noch traurig über Leos neuen Namen. Er ist ihr ganz egal. – Herzhaft und in heiterem Ton, gar nicht als Problemgeschichte, erzählt die Wiener Autorin Franz Orghandl vom Transgender-Kind Jennifer.
 

Das Thema begegnet Kindern heute immer öfter in ihrem Umfeld. Jennifers Erfahrungen damit machen klar, was im Leben wirklich zählt. Alter: 9-11 Jahre, Quelle: www.thalia.de.


Mama + Mamusch „Ich bin ein Herzenswunsch-Kind“ von Helena Düperthal & Lisa Hänsch
Eine Geschichte, die von Regenbogen-Kindern, Regenbogen-Partnerschaften und von Wunderwunsch-Kindern/Wunderwunsch-Eltern erzählt. Vor allem aber auch eine, in der es um das Glück geht, als ein Herzenswunsch-Kind geboren worden zu sein und aufwachsen zu dürfen. Ana erlebt ihren ersten Schultag. Als erste Hausaufgabe sollen alle ein Bild ihrer Familie malen. Sie ahnt schon die Fragen, die kommen werden. Ana kennt das schon aus dem Kindergarten. Während die Erwachsenen oft nur eigenartig schauen, fragen die Kinder einfach. Warum hat Ana zwei Mütter? Welche ist denn echt? will Tim zum Beispiel wissen, denn er meint, das geht doch nicht. Doch Ana hat eine Antwort für ihn, die ihn staunen lässt. Alter: 5-7 Jahre, Quelle: www.amazon.de.