Bürgermeister Matthias Baaß
Sendepause
Eine Sendepause wäre mal gut. Dieser Tage schrieb mir ein Bürger: „Neben einer besseren wirtschaftlichen Lage braucht das Land, meiner Meinung nach dringend eine Phase der Entspannung und nicht der weiteren Polarisierung.“
Sehr zutreffend.
Ich hätte nichts dagegen, wenn sich zum Beispiel Friedrich Merz und Lars Klingbeil mal zumindest zwei Wochen zurückziehen, die gemeinsame politische Linie für die nächsten Themen festlegen und sich im Anschluss äußern. Dazwischen: Sendepause. Auch von denen im Politikbetrieb, die meinen, Sie müssten minütlich die Dinge in ihren eigenen Medienkanälen kommentieren. Einfach mal schweigen und jene, die Verantwortung übertragen bekommen haben, in einer gewissen Ruhe überlegen lassen, was jetzt die beste Lösung wäre.
Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler, kommt in seinem Buch „Die große Gereiztheit“ zu dem Ergebnis, dass sich unsere Gesellschaft in eine „Empörungsdemokratie“ verwandelt hat. Sehr oft seien Viele beständig empört und könnten dank „sozialer“ Netzwerke ihren Unmut auch kommunizieren. Für Pörksen führt das häufig zu einem „sinnlosen Erregungsspektakel“.
Mir scheint die Natur des Menschen auch schlicht nicht dafür geschaffen, ständig neue Eilmeldungen zu erhalten und diese verarbeiten zu müssen. Mittlerweile versenden Medien solche Meldungen offenbar mehr, um Aufmerksamkeit für sich selbst zu erheischen, als dass es wirklich eine bemerkenswerte Nachricht gäbe.
Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt setzte sich schon 1978 für einen fernsehfreien Tag ein. Er wollte damals bereits dem von ihm festgestellten Mangel an direktem Gespräch untereinander begegnen. Heute wäre er garantiert dafür, dass Politiker nur dann etwas kommunizieren, wenn sie auch etwas zu sagen haben. Und er würde alle, die im Netz kritisieren, erkennbar aber ohne Ahnung in der Sache sind, in die Schranken verweisen: Erst mal sachkundig machen!
Eine Sendepause zumindest über Weihnachten wäre doch schon mal ein Beginn. Polarisierung brauchen wir nicht. Entspannung tut gut, dann sind auch die Lösungen besser.
Ihnen allen wünsche ich -auch in diesem Sinne- ein schönes Weihnachtsfest 2025!
Ihr
Matthias Baaß
Bürgermeister
