Grußwort zu Weihnachten von Bürgermeister Matthias Baaß

Nicht das Trennende befördern

Heute Morgen war er wieder unterwegs, mit Fahrrad und Anhänger. Die Kapuze dicht über den Kopf gezogen. Und mit Handschuhen. Jeden Tag bringt er oder der älteste Sohn das jüngste Kind in die Kindertagesstätte, ganz gleich, ob es regnet oder schneit. Das Kind soll gut aufwachsen, in der Kita alles mitbekommen, was es zukünftig braucht für sein Leben, vor allem Deutsch und den Kontakt zu Gleichaltrigen.

Ob diese Familie aus Viernheim stammt oder aus Keren in Eritrea ist mir gleich. Für mich ist entscheidend, ob sich die Eltern um ihre Kinder kümmern. Ob sie der Verantwortung, die sie als Eltern haben, gerecht werden. Eigenen Einsatz bringen, um die Zukunft ihrer Familie zu sichern. Dann lohnt sich jede persönliche oder staatliche weitere Unterstützung.

Welche Nationalität jemand hat, ist unbedeutend. Bedeutend ist, welche Haltung eingenommen wird. Will ich selbst einen eigenen Beitrag leisten, zumindest in dem Maße, wie ich diesen leisten kann? Oder ziehe ich mich darauf zurück, dass "die Anderen" oder "der Staat" für mein Wohlergehen zuständig sind?

Die Herkunft hat immer Bedeutung, ganz gleich, ob meine Familie schon seit Jahrhunderten in Deutschland lebt oder ich gerade erst aus Afghanistan zugewandert bin. Die Herkunft bringe ich mit als Gepäck. Dieses kann eine schwere Last sein. Oder eine hervorragende Grundlage für die Zukunft. Auch das ist im Grunde unabhängig davon, aus welchem Land ich stamme. Früher waren im Viernheimer "Texas" Geborene mit einem Vorurteil behaftet, sehr oft zu Unrecht. Die Herkunft dient schnell als Gelegenheit für Vorurteile, im Positiven, wie im Negativen. Aber unabhängig von der Herkunft muss jeder die gleichen Chancen haben. Zum Nutzen dieser Chance braucht der eine mehr Unterstützung, der andere weniger.

Bei Bedarf bekommt in unserer Stadt jede und jeder Unterstützung. Deutsche, Eriträer und Afghanen werden gleich behandelt, keiner bekommt mehr oder weniger. Die Jungen erhalten einen Kita-Platz, die Älteren ein bei Bedarf für sie passendes Angebot. In Viernheim wird bei der Unterstützung nicht unterschieden zwischen Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Nationalität.
Selbst jenen, die gar keine Unterstützung brauchen, wird damit geholfen. Weil das stabile und fürsorgende Miteinander die wesentliche Grundlage für ein soziales Zusammenleben und wirtschaftlichen Wohlstand ist.

56 Prozent der Deutschen möchten in der Öffentlichkeit zum Ausdruck gebracht haben, dass Deutschland ein christliches Land sei. Die überzeugendste Öffentlichkeitsarbeit ist es, christliche Werte nicht nur zu verkünden, sondern zu leben.

Überzeugender geht es nicht:
Wenn Zugewanderten, die in ihrer breiten Mehrheit die deutsche Sprache lernen wollen, genau diese Sprache nahegebracht wird, nützt es ihnen. Und es nützt uns allen, da mit der Kenntnis der deutschen Sprache Integration gelingen kann.
Wenn mitten in der Stadt der Caritasverband eine Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen, Menschen in seelischen Krisen und deren Angehörige betreibt, nützt dies unserem Gemeinwesen in der Gesamtheit.

Dieses Unterstützen und Integrieren stärkt unser Gemeinwesen, es sorgt für Zusammenhalt in Vielfalt.

Ich bedanke mich bei allen Mitbürgerinnen und Mitbürgern sowie allen Institutionen und Vereinen, die mit ihrem Handeln das Gemeinsame und unser Gemeinwesen stärken. Die für Zusammenhalt sorgen und nicht das Trennende befördern. Das ist der überzeugende Weg!

Ihnen allen wünsche ich gesegnete Weihnachten!


Matthias Baaß
Bürgermeister