Rede anlässlich der Verleihung des Ehrenrings der Stadt Viernheim an Herrn Ehrenstadtrat Heinz Rohrbacher

Matthias Baaß 27. Januar 2017 +++ Bürgermeister

Demokratie braucht Verantwortung

Herr Stadtverordnetenvorsteher, gerne greife ich Ihr Stichwort der "Demokratie" auf, denn ich möchte anlässlich dieser Ehrenring-Verleihung davon sprechen, dass Demokratie Verantwortung braucht.

Es geht heute mehr denn je darum, Menschen in Verantwortung zu bringen, sie in Verantwortung zu nehmen.

Wie einfach ist es, in Facebook etwas zu kommentieren, was hätte Heinz Rohrbacher, der nie kommentiert hat, da alles kommentieren können.

Bei manch Einem, der sich in diesem Medium äußert, gewinnt man den Eindruck, dass er / sie den ganzen Tag gar nichts anderes macht und wohl davon überzeugt ist, dass die von ihm kommentierte Welt die wirkliche ist.

Meine Erfahrung: die wirkliche Welt ist eine ganz andere.

Die Erfahrung von Heinz Rohrbacher: als Mitglied in der Stadtverordnetenversammlung, als Mitglied im Magistrat sieht manches ganz anders aus.

Wenn ich nicht nur eine Seite der Medaille kenne, sondern auch noch deren zweite oder dritte. Wenn meine Entscheidung tatsächlich Wirkung hat, ich mir also gut überlegen muss, wie ich entscheide. Wenn ich Verantwortung trage, für das, was am Ende passiert. Wenn ich nicht nur einem Bürger gegenüber Rede und Antwort stehen muss, sondern auch einem zweiten und dritten.

Tribünenhockerei, Facebook-Kommentare - das ist nicht die Welt des Heinz Rohrbacher. Er ist auf dem Platz, er ist politisch und gesellschaftlich handelnder Akteur, nicht Zaungast.

Die Demokratie im Jahr 2017 darf es nicht weiter zulassen, wir dürfen es nicht weiter zulassen, dass sich Menschen ihrer Verantwortung entziehen. Ihrer Verantwortung als Bürger in dieser Stadt und diesem Staat mitzuwirken. Bundespräsident Gauck hat es genau richtig formuliert:

"…Demokratie ist kein politisches Versandhaus. Demokratie ist Mitgestaltung am eigenen Schicksal - in der Gemeinde, Stadt, in der Region, in der Nation. Demokratie baut auf den freien Bürger, der Phantasie und Verantwortung nicht abgibt an einen starken Mann oder eine starke Frau, die sagen, wo es langgeht. Demokratie erfordert, ja, sie ist Selbstermächtigung: Wir, die Bürger, sind es, die über die Gestalt unseres Gemeinwesens entscheiden. Und wir, die Bürger, tragen die Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder und Enkel.


Demokratie setzt meine Mitwirkung voraus. Mitwirkung ist mehr als kommentieren, Mitwirkung ist mehr als auf der Tribüne sitzen - Mitwirkung ist Heinz Rohrbacher.

Wenn wir weiter zulassen, dass sich die Menschen aus der Verantwortung nehmen, wird die Demokratie an ihr Ende kommen. Demokratie braucht die persönliche Erfahrung, Menschen, die sich beteiligt sehen, wählen keine Trumps.

Es braucht Gelegenheiten Verantwortung zu übernehmen.

Es braucht Erziehung zur Verantwortung. Es braucht Bildung zur Verantwortung.

Nach dem Krieg und in den langen Jahren des Aufbaus gab es geradezu natürliche Impulse aus der Lebenssituation heraus, die zu dieser Verantwortungsübernahme führten. Ein innerer Impuls führte zum Engagement.

Das ist heute nicht mehr so, ein bisschen sind die Menschen bequem geworden, an manchen Stellen auch: uns geht es zu gut. Der Impuls entsteht nicht mehr von sich heraus.

Wir müssen neue demokratische Impulse setzen, damit die deutschen Trumps nicht ihre billigen Erfolge erzielen, die letztlich wegführen von der Demokratie und von Menschenrechten.

Was hätte Heinz Rohrbacher in den zurückliegenden über 40 Jahren seines Engagements nicht alles lauthals beklagen können, er hätte -wenn er es gewollt hätte- bestimmt jede Menge Argumente für ein Nicht-Engagement gefunden.
Stattdessen hat er Verantwortung gewagt. Er wurde zu einer Persönlichkeit, der die Bürger Viernheims Anerkennung zollen.

Weil sie es merken, wenn es einer ehrlich meint.

Wenn Reden und Handeln in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, wenn also Taten folgen.

Einer, der zuhört, einer, der sich auskennt, einer, der nichts unversucht lässt.

Einer, der weiß, wovon er spricht.

Heinz Rohrbacher.

Lieber Heinz,
seit dem 20. März 1977 bist Du Mandatsträger der Stadt Viernheim, ununterbrochen seit 40 Jahren, seit dem 20. April 1985 im Magistrat, 32 Jahre.

Du bist Träger zahlreicher Ehrungen, erwähnt sei die mit dem Bundesverdienstkreuz im Jahr 1998 ausgesprochene besondere Anerkennung.

Seit 1973 bis ins Jahr 2016 hinein warst Du Vorstandsmitglied des VdK Viernheim, von 1983 bis 2016 1. Vorsitzender, viele Jahre auch Vorsitzender des Kreisverbandes Bergstraße.
Viele Jahre auch ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht.

Seit 1975 hast Du in jeder Woche nunmehr über 41 Jahre hinweg persönlich hilfesuchende Viernheimer Bürger beraten. Wenn in der Woche 10 Bürger da waren, sind dies im Jahr 530, macht bei 41 Jahren über 20.000 Hilfeersuchen, denen Du mit Rat und Tat zur Seite standst.

Wem, wenn nicht Dir, sollte die Stadtverordnetenversammlung mit dem Ehrenring der Stadt Viernheim auszeichnen: "Der städtische Ehrenring kann Personen verliehen werden, die sich langjährige Verdienste um die lokale Demokratie erworben und die sich durch besonders hervorragende Einzelleistungen zum Wohle und Ansehen der Stadt Viernheim verdient gemacht haben."

Du hast mit Deiner Bereitschaft zum Engagement Verantwortung für die Demokratie übernommen, Du hast Demokratie im besten Sinne gelebt. Die Stadtverordnetenversammlung hat dies einstimmig anerkannt.

Die Verleihung des Ehrenrings der Stadt Viernheim an Dich ist eine sehr hohe Ehre und Würdigung Deiner Verdienste. Bislang gab es 9 Trägerinnen und Träger des Ehrenrings, da leider keiner von Ihnen heute mehr lebt, bist Du der einzige lebende Träger des Ehrenrings der Stadt Viernheim!

Herzlichen Glückwunsch!