Sanierung der Rudolf-Harbig-Halle: Landeszuschuss von 250.000,-- € für energetische Sanierung

Heute Bescheidübergabe durch Staatsministerin Priska Hinz an 1. Stadtrat Jens Bolze

 

Für Ersten Stadtrat Jens Bolze war heute nochmal Weihnachten, als er den Bescheid über 250.000,--€ von Staatsministerin Priska Hinz in Empfang nehmen durfte. Selbstverständlich kein persönliches Weihnachtsgeschenk, sondern eine saftige Finanzspritze des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zur energetischen Sanierung der Rudolf-Harbig-Halle.

Mit Hilfe dieses Zuschusses soll nun die Lüftungsanlage erneuert werden, die Beheizung der Halle auf eine effiziente Deckenstrahlungsheizung umgestellt und die Beleuchtung auf LED-Technik umgerüstet werden. In diesem Zug wird auch die Mess-, Steuer- und Regeltechnik erneuert. Damit ist das Gebäude zukunftsfähig. Insgesamt werden  über 600.000 € investiert - mit großzügiger Unterstützung des Landes Hessen! Nicht zu vergessen der Bundeszuschuss in Höhe von rund 38.700,--€.

Zusammen mit Bürgermeister Matthias Baaß, Stadtverordneten-Vorsteher Norbert Schübeler,
Philipp Granzow (Brundtlandbeauftragter), Reinhard Wirths (Brundtlandbüro),
Reiner Schneider (Leiter des Bauverwaltungs- und Liegenschaftsamtes) und weiteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung sowie Edmund Scheidel (1. Vorsitzender des TSV Amicitia Viernheim) informierte sich die Staatsministerin sichtlich beeindruckt von den vorgesehenen Investitionen in der von Viernheimer Vereinen und Schulen stark frequentierten Sporthalle.

In der Brundtlandstadt Viernheim (Hessens erste Energiesparstadt) gehört auch das Energiemanagement für städtische Gebäude zur Daueraufgabe. Über 30% Energie und CO2 konnten in den letzten 16 Jahren eingespart werden. In diesen Aufgabenbereich gehört auch
das aktuelle Projekt „Sanierung der Anlagetechnik in der Rudolf-Harbig-Halle“. Das Gebäude wurde bereits mit einer Fassadendämmung, neuer Wärmeschutzverglasung und einer Geschossdeckendämmung energetisch verbessert. Ferner wird das Regenwasser zur Bewässerung des benachbarten Sportplatzes in Zisternen gesammelt. Seit wenigen Jahren sorgt eine 170 kW-Photovoltaik-Anlage für regenerative Stromerzeugung.

Weitere interessante Informationen:

Projektbeschreibung/Technische Maßnahmen im Detail:

Nachdem bereits vor einigen Jahren die Gebäudehülle wärmetechnisch saniert wurde (Wärmedämm-Verbundsystem-WDVS, Wärmeschutzverglasung, Geschossdeckendämmung) soll jetzt die Anlagentechnik (Lüftung, Wärmeübergabe, Mess-, Steuer- und Regeltechni- MSR, Beleuchtung, Umwälzpumpen) saniert werden.

Vorgesehen ist eine Umstellung von ineffizienterRudolf-Harbig-Halle Luftbeheizung auf eine Beheizung über Deckenstrahlungsplatten (Strahlungswärme). Hierbei wird die Luftmenge von rund 40.000m³/h auf 8.000m³/h reduziert und die Lüftung bedarfsabhängig über CO2-Sensoren betrieben. Die neue Lüftung erhält eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung (Rotationswärmetauscher, Wärmerückgewinnklasse H1). Lüftungsanlage und Deckenstrahlplatten werden über eine MSR geregelt, die den bisherigen Handbetrieb ablöst.

Zusätzlich zu den Deckenstrahlplatten wird eine ballwurfsichere LED-Beleuchtung installiert, die nutzungsabhängig als Trainings- oder Wettkampfbeleuchtung betrieben werden kann.
Belegungspläne und Anlagendaten werden zentral von der Geschäftsstelle gepflegt und von der Verwaltung überwacht.

Das Objekt verfügt bereits über eine 172 kWpeak-PV Anlage auf dem Dach.
Zwei Zisternen zur Zwischenspeicherung des Niederschlagswassers und späteren Nutzung zur Bewässerung der nebenliegenden Sportplätze sind eingebaut. Das Überlaufwasser der Zisternen wird in Schächten versickert.

Mit den geplanten Maßnahmen ist das Gebäude zukunftsfähig saniert.
Die gesetzlichen Bedingungen hätten den Wiedereinbau einer Lüftungsanlage zur Beheizung erlaubt. Der Primärenergiebedarf wäre allerdings deutlich höher als bei der nun geplanten Beheizung mit Strahlungswärme. Die erforderliche thermische Leistung sinkt auf ein Fünftel.

Finanzierung

Für den Teil Lüftungsanlage ist auch ein Antrag beim „Projektträger Jülich“ (vergibt im Auftrag des Bundes Zuschussmittel)  gestellt worden. Dieser hat Kosten von 85.085 € als förderfähig anerkannt und gewährt dafür einen Bundeszuschuss von 38.714 €.
Die restliche Finanzierung erfolgt über Eigenmittel und den Landeszuschusses in Höhe von 250.000,--€.

Umsetzung:

Die Arbeiten werden von der Stadt Viernheim vergeben. Beteiligt sind das Bauverwaltungs- und Liegenschaftsamt sowie das für Energiemanagement und Klimaschutz zuständige Brundtlandbüro. Beratend stand der Stadt Viernheim das Planungsbüro ITG aus Lorsch zur Seite.
Die Arbeiten sollen im Sommer 2017 (beginnend ab Mai und während der Schulferien) ausgeführt werden, damit die erforderliche Hallenschließung möglichst wenig den Trainings- und Schulsportbetrieb beeinflusst.

Brundtlandstadt Viernheim – Klimaschutzstadt Viernheim

Die Stadt Viernheim hat bereits eine lange Tradition als Klimaschutzstadt. Diese Entwicklung wurde beschleunigt durch die Ernennung zur Brundtlandstadt im Jahr 1994 durch den damaligen Umweltminister Fischer. Mit großer finanzieller Unterstützung des Landes wurde eine kommunale Klimaschutzstrategie aufgestellt, die bis heute verfolgt wird. Im städtischen Brundtlandbüro, das als Stabsstelle dem Ersten Stadtrat zugeordnet und mit drei Mitarbeitern besetzt ist, werden die Maßnahmen initiiert und umgesetzt.

Natürlich ist Klimaschutz viel mehr als das Einsparen von Energie in städtischen Gebäuden. Aber es ist auch wichtig, dass die Stadt mit guten Beispiel vorangeht. Um die Hauseigentümer zu motivieren, ihre eigenen Gebäude zu sanieren, wurde 2009 die Energiekarawane entwickelt. Dabei handelt es sich um eine aufsuchende Energieberatung im Quartier. Mit dieser Methode wurden unterdessen 80% der Hauseigentümer in Viernheim erreicht. Über 20% der angeschriebenen Hauseigentümer nehmen das Angebot der Initialberatung an. Für 2/3 von ihnen ist es die erste Energieberatung überhaupt. Aus der Evaluation im jeweiligen Folgejahr ist bekannt, dass 60% der Haushalte bereits Maßnahmen umgesetzt oder dies konkret vorhaben.

Das Brundtlandbüro bietet auch Energieberatung für Hauseigentümer und Mieter an, organisiert Aktionen zur Sensibilisierung von KMU (kleinen, mittelständischen Unternehmen), initiiert eine Photovoltaik-Kampagne und ein Beteiligungsforum „Energie und Klimaschutz.“
Die lange Klimaschutz-Erfahrung seit mittlerweile 22 Jahren kann Viernheim auch in das Landesprojekt „Hessenaktiv: Die Klima-Kommunen“ einbringen. In der Anfangsphase hatte Bürgermeister Matthias Baaß den kommunalen Part in der Projektleitung übernommen; unterdessen führt Erster Stadtrat Jens Bolze diese Tradition fort.

Voneinander zu lernen, ist sicher ein wesentlicher Aspekt dieses Landesprojekts. Viele Erfahrungen und Projekte, die einmal erfolgreich umgesetzt wurden, lassen sich in gleicher Weise oder mit kleinen Anpassungen auch in anderen Städten durchführen. Das Land kann diesen Wissenstransfer unterstützen.