Seniorenberatung: Viernheimer Telefonkette soll Senioren Sicherheit vermitteln

Projekt schafft einfache Möglichkeit, miteinander und füreinander da zu sein

"Was passiert, wenn ich morgens nicht mehr aufstehen kann und niemand bekommt es mit?" Diese Frage kennen sicher viele ältere Menschen, die allein in ihrer Wohnung leben.

Im Alter werden die Kontakte oft weniger, manchmal klingelt das Telefon tagelang nicht. Ein kurzer Anruf, eine simple Frage: "Wie geht es Dir heute?" So einfach kann ein Gefühl von Sicherheit im Alltag vermittelt werden. Möglich macht dies das neue Projekt "Viernheimer Telefonkette", das die städtische Seniorenberatung gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Viernheim und in Kooperation mit der Polizeistation Lampertheim - Viernheim ins Leben gerufen hat. "Mit der Einrichtung von Telefonketten entstehen Gruppen von Menschen, die aufeinander aufpassen", erklärt Seniorenberater Eberhard Schmitt-Helfferich ganz einfach das Konzept, welches er gemeinsam mit seiner Kollegin Beate Preuss entwickelt hat. Es gehe darum, den Teilnehmenden ein kleines Stück Sicherheit zu vermitteln und so eine neue nachbarschaftliche, soziale Aufmerksamkeit herzustellen, die in den letzten Jahren eventuell verloren gegangen ist.

Gerade jetzt während der Corona-Krise habe das Projekt eine noch größere Bedeutung bekommen, erklärt Schmitt-Helfferich. "Ältere Menschen gehören der Risikogruppe an und sollen zum eigenen Schutz im Moment persönliche Kontakte vermeiden". Ein Grund mehr, so Schmitt-Helfferich, jetzt telefonisch in Verbindung zu bleiben.

Beate Preuss sieht einen weiteren positiven Effekt der Telefonkette: "Die soziale Isolation wird verhindert, denn im Laufe der Zeit können sich auf freiwilliger Basis neben der Sicherheitstelefonkette soziale Kontakte vertiefen, die sich im Laufe des Tages durch weitere ausgiebige Telefonate entwickeln".

So funktioniert die Telefonkette

Die Kette funktioniert ortsunabhängig und kann sich über ganz Viernheim erstrecken, weil ein persönlicher Kontakt nicht nötig ist. Die Telefonkette besteht aus max. 4 - 6 Teilnehmenden. Ein Mitglied der Gruppe wird von allen als Leitung benannt, ein anderes übernimmt die Stellvertreterfunktion. Nur diese beiden Personen erhalten alle wichtigen Rufnummern von allen Teilnehmenden, dazu gehören z. B. Hausnotruf-Anbieter, Angehörige, Ärzte, Nachbarn, eben alle Personen, die sich mit Hilfe von Schlüsseln im Notfall Zugang zu dem jeweiligen Telefonkettenteilnehmer verschaffen können.

Die Telefonkette startet zu einer von der Gruppe festgelegten Zeit im täglichen Rhythmus bei der Telefonleitung. Diese erste Person ruft nach einer festgelegten Reihenfolge die nächste in der Kette an und erkundigt sich kurz und bündig nach dessen Wohlbefinden. Danach ruft der Angerufene den Nächsten in der Kette an.

Wird die Kette unterbrochen, das heißt, meldet sich der nächste Angerufene nicht am Telefon oder signalisiert, dass es ihm schlecht geht und Hilfe benötigt wird, informiert der Anrufer sofort die Leitung.

Diese nimmt anhand der vorliegenden Notfallnummern die entsprechenden Telefonate vor, damit jemand vor Ort nach dem Teilnehmer sieht. Gibt es keinerlei Adressen dieser Art oder sind diese im Notfall ebenfalls nicht zu erreichen, wird die Polizeistation Lampertheim-Viernheim informiert, die sich der Situation annimmt.

"Auf keinen Fall ist die Telefonkette ein Ersatz für den Hausnotruf", insistieren Schmitt-Helfferich und Preuss, dieser sei für akute Notfälle unerlässlich. Die Kette greife als Vorstufe bei Menschen, die sich unsicher fühlen - egal, ob körperlich oder geistig. Ein bestimmtes Alter ist für die Teilnahme nicht erforderlich. Neben den Telefonkosten entstehen keine weiteren Ausgaben.

Viernheimer Telefonkette - Kontakt und Vermittlung

Interessierte Personen, die eine Telefonkette ins Leben rufen oder sich einer Kette anschließen möchten, melden sich einfach bei der städtischen Seniorenberatung: Beate Preuss, unter 06204 988 236 oder Eberhard Schmitt-Helfferich, unter 06204 988 336 oder per eMail unter