Sicherstellung der Bevölkerung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten: Apotheken: Schneller als online!

Apothekensterben durch ausländische Versandapotheken verhindern

Bürgermeister Matthias Baaß: "Top-Service der Apotheken in Viernheim muss auch in Zukunft erhalten bleiben!"

Bürgermeister und Viernheimer Apotheker bitten Bergsträßer Bundestags- und Landtagsabgeordnete um Unterstützung

Die Viernheimer Apotheken haben einen gut funktionierenden Lieferservice - sie sind schnell, sie liefern am gleichen Tag innerhalb von wenigen Stunden, sie sind persönlicher und individueller als jede ausländische Versandapotheke. Und: Dieser Service ist kostenlos! Das macht die Apotheke vor Ort unverwechselbar.

Dass dieser optimale Service auch in Zukunft erhalten bleibt, dafür setzt sich Bürgermeister Matthias Baaß mit Viernheimer Apothekern ein. Deshalb hat er sich zusammen mit Wolfgang Kempf und Andreas Meyer an die Bundestagsabgeordneten Christine Lambrecht und Dr. Michael Meister sowie an die Landtagsabgeordneten Alexander Bauer, Karin Hartmann, Norbert Schmitt und Peter Stephan gewandt mit der Bitte, bei ihrer Entscheidungsfindung wichtige Interessen sowohl der breiten Bevölkerung als auch der Apotheker zu berücksichtigen und eine Lösung herbeizuführen, welche die Belange des bewährten deutschen Apothekersystems würdigt, es nachhaltig unterstützt und letztlich für Planungssicherheit sorgt. "Sollte der Gesetzgeber nicht handeln, sehen wir mittel- und langfristig ein bewährtes Versorgungssystem in Gefahr", heißt es in dem Schreiben. "Der Top-Service der Apotheken in Viernheim muss erhalten bleiben", betont Baaß.

Deutschlands Apotheker gehen derzeit auf die Barrikaden: Sie sehen als Folge des EuGH-Urteils, das es ausländischen Versandapotheken erlaubt, Boni an Rezeptkunden zu gewähren, das deutsche Gesundheitssystem in Gefahr.

"Seit Oktober 2016 müssen sich als Folge eines Urteils des Europäischen Gerichtshofes ausländische Versandapotheken nicht mehr an die in Deutschland gesetzlich festgelegte Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente halten. Ihnen sind im Gegensatz zu uns deutschen Apotheken Rabatte und Boni erlaubt", kritisiert Apotheker Wolfgang Kempf. Und weiter: "Deutsche Präsenzapotheken, welche die per Gesetz festgeschriebene Versorgung der Bevölkerung sicherstellen, können nur auf der Basis einer funktionierenden Mischkalkulation wirtschaftlich geführt werden. Wenn ganze Sortimente an den Versand abwandern, kann der Kalkulationsmix nicht mehr funktionieren. Faire Berichterstattung über diesen Sachverhalt bedeutet auch, die Preisbildung von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln mal zu hinterfragen und in den Gesamtkontext zu stellen: Pro verschreibungspflichtiges Medikament - egal was es kostet - gibt es einen Fixaufschlag von 8,35 EUR zuzüglich einem Aufschlag von 3 Prozent des Herstellerabgabepreises. Davon erhalten die Krankenkassen einen Rabatt über 1,77 EUR. Darüber hinaus wird ein Zuschlag von 0,16 EUR hinzugerechnet, der aber in den Nacht- und Notdienstfond fließt. Das Ganze wird komplettiert mit 19 Prozent Mehrwertsteuer, die der Staatskasse zufließt. In diesem Aufschlag sind sämtliche staatlich auferlegten Aufgaben - wie Beratung, gesetzlich und auch zeitlich vorgeschriebene Vorhaltung bestimmter Arzneimittel - inkludiert: Mischkalkulation also!"

Apotheker Andreas Meyer hält internationale Versandapotheken für "Rosinenpicker" im System. "Sie leisten keine Gemeinwohlaufgaben für die Patienten. Sollte die Politik nicht einschreiten und einen Riegel vorschieben, dann befürchten wir mittel- und langfristig ein Apothekensterben, das insbesondere die Bevölkerung in der Fläche treffen wird. Das Szenario könnte so aussehen: Keine Nacht- und Wochenenddienste mehr, keine Herstellung mehr von Individualrezepturen, keine persönliche Beratung mehr und keine Kontrollen mehr zum Schutz von gefälschten Arzneimitteln. Und schließlich: Abbau von Arbeitsplätzen, weil nur da gespart werden kann."

Auch auf einen anderen wichtigen Punkt weisen die beiden Apotheker hin: "Insgesamt stellen die deutschen Apotheken aktuell über 150.000 Arbeitsplätze bereit, die sich durch einen Frauenanteil von 90 Prozent, Wohnortnähe und gute Arbeitsbedingungen auszeichnen. Darüber hinaus leisten die deutschen Apotheken einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Steueraufkommen der Kommunen durch die Abführung von Gewerbesteuer", so Kempf und Meyer. Zwar sei die flächendeckende Versorgungslage in Viernheim und im näheren Umfeld derzeit noch zufriedenstellend. Dennoch schließe- auf ganz Deutschland gerechnet - fast jede Woche eine Apotheke.

Verschreibungspflichtige Medikamente sind Waren besonderer Art, die nach dem deutschen Gesetz zu Recht der einheitlichen Preisbindung unterliegen. "Aus diesem Grunde lehnen wir diese Segnung des Online-Handels ab. Das heißt nicht, dass wir gegen Digitalisierungsbestrebungen im Gesundheitswesen sind. Im Gegenteil - wir brauchen dieses Netzwerk zum Wohle der Patienten", betonen Kempf und Meyer. Ein weiteres Argument gesellt sich hinzu: Die von den Versandapotheken gewährten Boni stehen nicht dem einzelnen Versicherten, sondern den Krankenkassen, sprich: der Solidargemeinschaft zu.

Bürgermeister Baaß hält all diese Argumente für gerechtfertigt und setzt sich dafür ein, dass die Viernheimer Präsenzapotheken auch weiterhin einen Top-Service für die Bevölkerung machen können. "Für die Politik gibt es genug Gründe, die derzeitige Schieflage zu beseitigen und dem ausländischen Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten einen Riegel vorzuschieben."