Stadtentwicklungskonzept Wohnen und Gewerbe: Bürgermeinung zur künftigen Stadtentwicklung gefragt

Erster Stadtrat Jens Bolze: „Wir müssen wissen, welche Grundlagen für eine zukunftsorientierte Flächenpolitik wir legen wollen!“ +++ Beschlussfassung im Stadtparlament erst nach öffentlicher Informationsveranstaltung mit Bürgern, Interessengruppen und Verbänden

Mit Hilfe eines Stadtentwicklungskonzeptes für Wohnen und Gewerbe möchte die Stadt Viernheim die Grundlagen für eine zukunftsweisende Flächenpolitik legen. „Ein solches Konzept ist immens wichtig, um eine zukunftsgerichtete Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Entwicklungsoptionen unserer Stadt mit allen Bürgerinnen und Bürgern diskutieren zu können“, betont Baudezernent Jens Bolze. „Wir müssen Antworten parat haben, wenn das Land uns in ein paar Jahren fragen sollte: Wie geht es mit der Stadt Viernheim weiter? Wie werden die Weichen zukünftiger Flächenpolitik gestellt? Welche Entwicklungen sollen die Bereiche Wohnen und Gewerbe konkret nehmen?“.

Aus diesem Grunde hat die Verwaltung ein Fachbüro mit der Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzeptes „Wohnen und Gewerbe“ beauftragt. Dieser 130 Seiten umfassende Konzeptentwurf war in der letzten Magistratssitzung Gegenstand eingehender Beratung. Er soll für die Dauer von mindestens vier Wochen offengelegt, online gestellt und in einer Bürgerveranstaltung von der Beteiligung von Fachplanern vorgestellt werden. „Selbstverständlich werden auch wichtige Erkenntnisse und Informationen aus vorliegenden Fachgutachten zu Themenbereichen wie Einzelhandelskonzept, Landschaftsplan, Verkehrsentwicklungsplan sowie Innenstadtkonzept ´Aktive Kernbereiche´ Berücksichtigung finden und bei der Bürgerinformationsveranstaltung auch mit allen relevanten Interessengruppen und Verbänden diskutieren. Nach Abschluss der Erörterung in der Bürgerschaft kann das Konzept zusammen mit den eingegangenen Stellungnahmen und Positionen erneut zur Beratung im Ausschuss und im Stadtparlament eingebracht werden“, beschreibt der Baudezernent das weitere Vorgehen. Die Stadtverordneten-Versammlung muss dann die Ziele der künftigen Stadtentwicklung konkret benennen.

Das vorliegende Gutachten und die darauf aufbauende politische Diskussion ist wichtig für die Stadt Viernheim, um ein mehrheitsfähiges Szenario für die künftige Entwicklung der Stadt entwerfen zu können. „Je klarer die Vorstellungen der Stadt formuliert werden, desto größer ist die Chance, auf den nächsten Regionalplan Südhessen Einfluss nehmen zu können“, verdeutlicht Bolze.

Mit einem solchen Beschluss im Rücken wären Magistrat und Verwaltung in der Lage, mittel- und langfristige Strategien in verschiedenen Bereichen (Grundstücksankauf, Planung von Kitas, Verkehrsentwicklung etc.) zu entwickeln.

Das Konzept eröffnet eine intensive Auseinandersetzung mit vier Entwicklungsszenarien und ihre Auswirkungen auf den kommunalen Haushalt. Hierbei wird angenommen, dass die Stadt Viernheim ihre Angebote im Bereich Wohnbauland und Gewerbeflächen nicht weiterentwickelt, sich auf die Wohnbaulandentwicklung, die Gewerbeflächenentwicklung konzentriert oder eine Strategie der parallelen Entwicklung beider Flächenarten verfolgt.

Im Rahmen der Erarbeitung des Konzeptes wurden neben dem derzeitigen Angebot und der bisherigen Nachfrage zukünftige Bedarfe und Maßnahmen für die Entwicklung von Flächen für Wohnen und Gewerbe analysiert. Da sich in den letzten Jahren sowohl die Wohnungsnachfrage als auch die Gewerbeflächennachfrage strukturell verändert haben, wurden die hieraus resultierenden unterschiedlichen Anforderungen berücksichtigt. Flächenentwicklungspotenziale für Wohnen und Gewerbe wurden identifiziert und im ersten Schritt grob bewertet. Weitergehend wurden im Rahmen des STEKs mögliche Entwicklungsszenarien für Viernheim diskutiert und hinsichtlich ihrer Folgewirkung beschrieben. Das vorliegende STEK für Wohnen und Gewerbe ist Teil einer Reihe von Fachkonzepten der Stadt (Landschaft, Umwelt, Verkehr, Einzelhandel und Innenstadt). In der Gesamtschau der Einzelbausteine ergibt sich ein umfassendes Bild der bestehenden Situation und der potenziellen Entwicklung der Stadt.

Zur Information:

Mit der Beauftragung des Büros Georg Consulting aus Hamburg wurden die Bereiche Wohnen und Gewerbe zusammengeführt. Das Büro hat seinen Schwerpunkt im Bereich von Bestandsaufnahmen und Gutachten zur wirtschaftlichen Entwicklung von Kommunen.

Das Gutachten umfasst eine Bestandsanalyse, Prognosen für die nächste Zukunft und daraus abgeleitete Ziele und Strategien. Es war Teil des Auftrags, keine fertigen Lösungen im Sinne eines Masterplans für eine künftige Entwicklung zu produzieren, sondern die Stärken und Schwächen von Wachstumsszenarien in den Bereichen Wohnen und Gewerbe herauszuarbeiten, heißt es in einer Pressemitteilung der städtischen Presse- und Informationsstelle.

Mit dem nun vorliegenden Entwurf kann die Stadtverordneten-Versammlung eine solide politische Diskussion führen, da die wesentlichen Grundlagen der Entwicklung Viernheims sehr genau aufgezeigt werden. Dabei berücksichtigt das Gutachten die Lage Viernheims in der Region, liefert umfangreiche Aussagen zu der Entwicklung in den wichtigen Nachbargemeinden und beschreibt die Chance und Risiken als Teil der Region.

Bei der Übersetzung von Entwicklungszahlen in eine flächenhafte Planung treten wertwartungsgemäß große Unschärfen auf. So ist schwer vorherzusehen, in welchem Umfang und in welchen Zeiträumen die im Innenbereich liegenden rechnerischen Wohn- oder Gewerbeflächenreserven tatsächlich realisiert werden können. Hier fehlen der Kommune auch wichtige Instrumente, um eine Innenentwicklungsstrategie auf privaten Flächen wirkungsvoll durchsetzen zu können. Es ist vielmehr zu erwarten, dass das Tempo einer solchen Entwicklung im Bestand wesentlich durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von Angebot und Nachfrage und den daraus resultierenden Preisen bestimmt wird.

Dem gegenüber lassen sich Entwicklungen im heutigen Außenbereich relativ gut planen, wenn es die Zahl von Wohneinheiten, die Kosten der Erschließung oder das Tempo im Bau von Erschließungsanlagen betrifft. Im Außenbereich ist jedoch nur schwer vorhersehbar, in welcher Weise die übergeordneten Planungsinstitutionen (Regionalversammlung Südhessen) und andere Träger öffentlicher Belange (Nachbarkommunen, Naturschutzbehörden etc.) bei einer Umwandlung von Außenbereich in Siedlungsfläche unterstützend wirken und wie einschränkend sich die Bestimmungen des Umweltrechts auf die Planung auswirken. Es kann daher sein, dass die im Gutachten neu dargestellten Flächen im Außenbereich Fiktion bleiben. So ist es nationales Ziel, den Flächenverbrauch in Deutschland erheblich zu senken und dieses Ziel wird auch Eingang in die Landesentwicklungs- und Regionalpläne finden.