Stadtwerke / Stadtentwässerung: Ableitungssammler soll in gefährdeten Straßen Überflutungen verhindern

Entwurfsplanung für Ableitungssammler an Frankfurter Büro vergeben

Aufgrund der besonderen Lage Viernheims, der zunehmenden Versiegelung im Stadtgebiet und der zunehmenden Gefahr von Starkregenereignissen ist die Kapazität des Kanalnetzes nicht mehr ausreichend. Ohne weitere Maßnahmen ist eine ausreichende Entwässerung des Stadtgebietes nicht mehr gewährleistet. Umfangreiche Untersuchungen in den letzten Jahren unter Betrachtung kostengünstiger Alternativen haben aufgezeigt, dass eine Erhöhung der Ableitungskapazitäten auf der Trasse Saarlandstraße / Industriestraße dringend erforderlich ist, um eine adäquate Entwässerung zu ermöglichen. Die hierfür benötigten Gelder schätzen die Stadtwerke auf ca. 12 Millionen Euro. Die Umsetzung der baulichen Maßnahmen würde eine deutliche Verbesserung mit sich bringen.

Vor diesem Hintergrund beschloss der Magistrat bereits im Juli 2017, mit den Planungen für die vorgesehenen Kanäle der Priorität 1 (Karl-Marx-, Einbindung Pumpwerk Saarland-, Kreuz-, Siegfried-, Illert-, Friedrich-Ebert-; und Industriestraße bis auf Höhe der Einfahrt städtischer Bauhof) zu beginnen.

Am 9. April sprach sich der Gemeindevorstand dafür aus, die Ingenieurleistungen (Entwurfsplanung, Ausführungsplanung, Vorbereiten der Vergabe, Mitwirken bei der Vergabe, Bauoberleitung, Objektbetreuung und örtliche Bauüberwachung) an den besten Bieter, das Frankfurter Büro Kocks Consult GmbH zu vergeben.

Das Gesamthonorar beläuft sich derzeit auf ca. 420.000 Euro brutto vorbehaltlich der Endabrechnung.

In Auftrag gegeben wurde die Entwurfsplanung für einen Ableitungssammler in Fließrichtung genannter Straßen mit Kosten in Höhe von 104.308,83 Euro brutto vorbehaltlich der Endabrechnung.

Die Ausschreibung erfolgte europaweit, fünf Ingenieurbüros wurden aufgefordert, ein Erstangebot abzugeben - unter anderem die Firma Kocks Consult GmbH.

Mit dieser Maßnahme hoffen die Verantwortlichen, massive Überflutungen nach Starkregen in Zukunft möglichst verhindern bzw. einschränken zu können.

Zur Information:

Vergangenheit

Am 12.06.2007, am 26.07.2008, am 30.06.2009 und am 09.06.2010 traten in Viernheim Starkregenereignisse auf mit Jährlichkeiten zwischen einmal in 5 Jahren bis zu einmal in 50 Jahren entsprechend dem Starkregenkatalog KOSTRA-DWD-2000 des Deutschen Wetterdienstes. Die Feuerwehr verzeichnete 309 Einsätze in 2007 und 209 Einsätze in 2008.

Rechtlicher Rahmen

Nach dem Wasserhaushaltsgesetz ist Abwasser so zu beseitigen, dass das Wohl der Allgemeinheit nicht beeinträchtigt wird. Definitionsgemäß ist Niederschlagswasser auch Abwasser. Abwasseranlagen sind nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu errichten, zu betreiben und zu unterhalten.

Mit hydrodynamischen Kanalnetzberechnungen wird die Überstauhäufigkeit von Kanalnetzen nachgewiesen.

Für die Berechnung zur Überflutungshäufigkeit werden hydrodynamische Kanalnetzberechnungen mit Überflutungsberechnungen auf der Geländeoberfläche gekoppelt.

Entwässerungssituation Viernheim

Im kanalisierten Stadtgebiet von Viernheim gibt es keinen Vorfluter (Gewässer wie z.B. einen Bach oder Fluss), in dem bei Regenereignissen Mischwasser entlastet werden kann. Jeder Tropfen Regenwasser, der im Stadtgebiet fällt und ins Kanalnetz gelangt, fließt zum Tiefpumpwerk und wird dort über Pumpen bis zum zweifachen Trockenwetterabfluss zur Gemeinschaftskläranlage weitergeleitet. Das darüber hinaus anfallende Mischwasser wird im Kanalnetz zwischengespeichert und bei entsprechenden Wasserständen im Tiefpumpwerk ins Tosbecken und weiter in die Regenüberlaufbecken gepumpt von wo es in den Ableitungsgraben und weiter in den Bannholzgraben entlastet wird.

Die Kanalnetzplanung stellt deshalb eine besondere Herausforderung dar auch aufgrund des vorhandenen vermaschten Netzes mit dem sehr flachen Gefälle.

Hydraulische Gefährdungsanalyse (Überflutungsschutz)

Bei der hydraulischen Gefährdungsanalyse für das Kanalnetz mit Istzustand 2016 werden die Regenereignisse mit der Häufigkeit von einmal in 20 Jahren und einmal in 30 Jahren gemäß DIN EN 752 betrachtet.

Rechnerisch nachgewiesen wird dies ausschließlich von bidirektional gekoppelten Kanal-netz- und Oberflächenabflussmodellen. Es lassen sich damit zu den hydraulischen Prozessen im Kanalnetz zeitgleich die Abflüsse auf der Geländeoberfläche abbilden. Durch die Verknüpfung beider Rechenmodelle kann auf der Oberfläche abfließendes Regenwasser dem Kanalnetz über Straßeneinläufe zufließen oder auch ausgetretenes Regenwasser aus dem Kanalnetz oberirdisch abfließen.

Der rechnerische Nachweis ist erst seit wenigen Jahren möglich.

Die Wasserstände über der Geländeoberkante wurden für den Ist- und Sanierungszustand des Kanalnetzes jeweils für die Jährlichkeiten einmal in 20 Jahren und einmal in 30 Jahren ermittelt.

Bei der Berechnung für den Istzustand des Kanalnetzes für die Wiederkehrzeit einmal in 20 Jahren wurden maximale Wasserstände von mehr als 30 cm in folgenden Straßen festgestellt: Bürgermeister-Kempf-Straße, Kettelerstraße zwischen Kühnerstraße und Lampertheimer Straße, Seegartenstraße im Bereich Molitorstraße, Neuhäuser Straße zwischen Jahnstraße und Wilhelm-Leuschner-Straße, Wilhelm-Leuschner-Straße im Bereich der Neuhäuser Straße, die L 3111 im Kreuzungsbereich Friedrich-Ebert-Straße und noch mehrere Grundstücke, die hier nicht mehr angegeben werden.

Für eine Wiederkehrzeit von 30 Jahren erhöhen sich natürlich die maximalen Wasserstände in den bereits genannten Straßen. Folgende Straßen kommen hinzu: Wasserstraße im Kreuzungsbereich Friedrichstraße, Dossenheimer Straße im Bereich Zeppenweg, Bensheimer Straße im Bereich des Grundstückes Bensheimer Straße 19 und weitere Einzel-Grundstücke kommen hinzu.