Gleichstellungsbüro: Aus Alt mach Neu! – Upcycling-Projekt schafft neue Perspektiven für Migrantinnen

Upcycling ist Trend – und das nicht erst seit gestern.

Aus der Idee, aus alten Produkten ein neues, wertvolleres herzustellen, wurde nun ein innovatives Projekt für Frauen in Viernheim, das am vergangenen Mittwoch (27. April) im Familienbildungswerk startete. Bei dem Kurs, der gleichzeitig auf die Integrationsstrategie der Stadt Viernheim abzielt, wird Nachhaltigkeit mit der Möglichkeit verknüpft, Frauen neue Erfahrungen zu ermöglichen.

Die ersten Teilnehmerinnen sind 12 zugewanderte Frauen aus unterschiedlichen Ländern weltweit, die nun bis zu den Sommerferien immer mittwochs von 10 bis 12 Uhr aus alten, gebrauchten Stoffen und Utensilien etwas Neues kreieren. So bekommen die alte Jeans oder Bettwäsche ein zweites Leben. Und ganz nebenbei wird noch etwas für die Umwelt getan, indem der Stoff wiederverwendet wird.

Im Vorfeld organisiert und in Kooperation weiter entwickelt wurde das Upcycling-Projekt vom Familienbildungswerk Viernheim, vom Gleichstellungsbüro der Stadt Viernheim und dem Verein Lernmobil Viernheim e.V. „Gerade Migrantinnen erfahren Brüche in ihrer Arbeitsbiographie, da sie aus unterschiedlichsten Gründen nach ihrer Zuwanderung entweder nicht arbeiten können oder dürfen,“ weiß die städtische Gleichstellungsbeauftragte Maria Lauxen-Ulbrich. Ziel des Projekts ist es daher, Frauen Mut und ihre oft versteckten Potentiale sichtbar zu machen und ihnen darüber hinaus Möglichkeiten aufzuzeigen, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Gleichzeitig greift die Brundtlandstadt mit dem Upcycling-Projekt unter dem Aspekt der Klima- und Umweltfreundlichkeit sowie Nachhaltigkeit als 1. Partnerkommune der Bundesgartenschau 2023 in Mannheim auch gezielt die Leitthemen der BUGA 23 auf.

Welche neuen Schätze während des Kurses entstehen werden, wird individuell mit den Kursteilnehmerinnen entschieden. Für die ersten Kurstage stehen Fenstergirlanden aus Papier von alten Büchern sowie Einkaufstaschen aus Bettwäsche auf dem Programm.

Beate Sykora vom Familienbildungswerk denkt bereits weiter: „Vielleicht bieten die Frauen an einem Verkaufsstand auf einem der zahlreichen Viernheimer Feste ihre selbst gefertigten Waren an.“ Beatá Gergely vom Lernmobil und Gonca Karagöz vom städtischen Büro für Neuzugezogene ergänzen: „Oder langfristig gelingt es den Frauen sogar über das Projekt, ein Unternehmen zu gründen.“

Kursleitung übernimmt Hedwig Franke

Bereits Ende 2019 – vor Corona – hat die vom Gleichstellungsbüro koordinierte Arbeitsgruppe Migrantinnen das Projekt geplant und den Start immer wieder verschoben. „Zwischenzeitlich musste eine neue Anleiterin gesucht werden und mit Hedwig Franke aus Mannheim haben wir eine motivierte und engagierte Frau, die bereits seit Jahren alles upcycelt, was ihr in die Finger kommt“, freut sich Gleichstellungsbeauftragte Maria Lauxen-Ulbrich und bedankt sich gleichzeitig bei der Kursleiterin für die ehrenamtliche Durchführung.

Hedwig Franke kam vor 30 Jahren nach Mannheim, wo sie seitdem gelebt hat und als Schauspielerin arbeitet. Vor Kurzem ist sie mit ihrer Familie in den Odenwald gezogen. Da sie seit früher Jugend privat ständig an irgendeinem Re- oder Upcycling-Projekt arbeitet, war diese Projektidee wie für sie gemacht. Da sie bis zu ihrem Umzug aufs Land außerdem ehrenamtlich für ein Mannheimer Frauenhaus tätig war, ist dieses Projekt doppelt passend. Sie freut sich auf die Arbeit mit den Frauen und hofft auf viele tolle Ideen, die sie mit ihnen verwirklichen kann.

Auch wenn derzeit alle Plätze belegt sind, besteht die Möglichkeit nachzurücken oder auf eine Liste für einen möglichen Herbstdurchgang aufgenommen zu werden. Bei Interesse Rückfragen an oder unter 06204-988-361.