Geschlechteridentität und LGBTQ+

Männlich- weiblich - divers: woran erkenne ich das Geschlecht?

Rein optisch können wir erst einmal nur das biologische Geschlecht feststellen.

Das tun wir anhand sogenannter primärer und sekundärer Geschlechtsmerkmale.

Bei Jungen sind das zum Beispiel der Penis, der Hodensack oder im Laufe der Pubertät dann der Bartwuchs und bei Mädchen an der Vagina, den Eierstöcken und später auch an den Brüsten.


Doch nicht allein biologische Merkmale bestimmen das Geschlecht, sondern auch Verhalten und Gefühle eines Menschen tragen dazu bei.

Man spricht dann vom sozialen Geschlecht. Funfact: Im Englischen hat man sogar zwei Begriffe dafür.

Man unterscheidet zwischen sex (= biologisches Geschlecht) und gender (= soziales Geschlecht).

Wenn unser biologisches und soziales Geschlecht übereinstimmen, nennt man das auch cisgender.

Wie du siehst, wird hier der Begriff gender benutzt - das zeigt uns, wie groß der Einfluss des sozialen Geschlechts auf die eigene Wahrnehmung ist.

Denn, was wir als männlich oder weiblich wahrnehmen, ist durch sogenannte Geschlechterrollen bestimmt.

Das bedeutet, dass irgendwer irgendwann einmal festgelegt hat, dass wir bestimmte Erwartungen und bestimmtes Verhalten mit einem bestimmten Geschlecht verbinden.

Zum Beispiel, dass Jungs gerne Fußball und Mädchen lieber mit Puppen spielen.

Wir wissen aber, dass es Mädchen gibt, die gerne Fußball spielen - genauso wie es Jungs gibt, die gerne mit Puppen spielen.
Diese Erwartungen sind dazu noch ganz willkürlich.

Denn hätte dieser jemand bestimmt, dass zum Beispiel Schminken nur was für Jungs ist und Baggerfahren nur was für Mädchen, würden wir Schminken als männlich und Baggerfahren als weiblich betrachten.

Und dann gibt es ja auch noch das Gefühl.

Auch wenn Luisa richtig gerne mit Puppen gespielt und immer Kleider getragen hat, kann es sein, dass Luisa sich nicht trotzdem wie ein Mädchen fühlt, sondern wie ein Junge.

Was passiert also, wenn Luisa plötzlich Luca heißt?

Bei manchen Personen stimmen also das biologische und soziale Geschlecht nicht überein - sie sind transgender.
Viele - aber nicht alle - möchten das ändern, in dem sie durch geschlechtsangleichende Operationen und unter Einnahme von Hormonen ihr sex ihrem gender anpassen.

Wichtig ist, dass sowohl eine Trans-Frau eine richtige Frau und ein Trans-Mann ein richtiger Mann ist und jeder sie auch so respektieren sollte. Das bedeutet auch, dass man sie eventuell bei einem neuen Namen nennt und auch die korrekten Pronomen verwendet.

Was ist das "dritte" Geschlecht und wie viele Geschlechter gibt es denn eigentlich?

Bei Facebook hat man nun die Möglichkeit über 60 Geschlechter anzugeben, während in der Bundesregierung gerade die Debatte über die Einführung eines dritten Geschlechts geführt wird.

Das dritte Geschlecht ist für Personen, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen. Sie sind non-binär oder genderqueer und begreifen sich nicht als vollständig männlich oder vollständig weiblich, sondern finden sich auf einem Kontinuum wieder. Zum Beispiel identifizieren manche sich auch als gender-fluid und fühlen sich an manchen Tagen mehr weiblich und an anderen mehr männlich.

Die Jugendgruppe des vielbunt e.V farbenfroh freut sich über jede deiner Fragen! Schau doch mal auf ihrer Facebookseite vorbei!

Was bedeutet LGBTQ+ und sexuelle Identität?

LGBTQ+

LGBTQ+ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer - ist ein Sammelbegriff für für Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle und für alle anderen, die sich auf diesem Spektrum einordnen -- wie zum Beispiele Asexuelle (=Personen, die keine sexuelle Anziehung verspüren) oder Pansexuelle (= Personen, die bei ihrer (sexuellen) Anziehung nicht zwischen den Geschlechtern unterscheiden).

Ein Teil deiner sexuellen Identität ist deine sexuelle Orientierung. Sie kann sehr dynamisch sein oder sich vielleicht auch einfach nicht mit einem Begriff erklären lassen.

Du hast vielleicht schon von Heterosexualität, Homosexualität oder Bisexualität gehört, aber Sexualität ist ein Spektrum und unglaublich vielfältig.
Auf der Seite des Queer Lexikonkannst du im Glossar die verschiedenen sexuellen Orientierungen noch einmal genauer nachlesen.

  Was ist ein Coming Out?

Für viele Menschen ist es noch immer sehr schwierig zuzugeben, dass sie schwul, lesbisch, bisexuell oder queer sind. Das gilt gegenüber sich selbst, Freundinnen und Freunden oder auch der Familie gegenüber.
Viele haben Angst vor Homophobie -- also dass man sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung abgelehnt, missversteht, ausgrenzt oder sogar misshandelt.
Deswegen verheimlichen oder verstecken sie ihr wahres Ich und es dauert meist eine Weile bis sie sich dazu entscheiden sich zu outen.
Das Coming-Out, also das öffentliche Bekanntgeben, dass sie zur LGBTQ+ Gemeinschaft gehören, wird meist als sehr befreiend und entlastend empfunden.

Eine Person sollte immer selbst entscheiden, wie und wann sie sich outen möchte. Das bedeutet auch, dass man ihnen Zeit lassen und sie auf keinem Fall selbst outen oder unter Druck setzen sollte. Für manche ist ein Coming Out auch nicht möglich, weil es für sie gefährlich sein kann. Deswegen sollte man hier die Privatsphäre besonders respektieren.

Bin ich LGBTQ+?

Unsere Gesellschaft ist heteronormativ geprägt.

Zum Beispiel wird bei Familie erst einmal an die klassische Mutter-Vater-Kind Konstellation gedacht.

Das ist einer der Gründe, warum viele LGBTQ+ Personen sich zunächst gar nicht vorstellen konnten, dass sie eine andere sexuelle Orientierung als hetero haben könnten.

Auch wenn sich das nie so ganz richtig angefühlt hat. Oder sie Anziehung zum gleichen Geschlecht bemerkt haben.
Bei den meisten ist das Herausfinden der sexuellen Orientierung ein Prozess.

Also, wie du diese definierst, ist sehr individuell. Im Internet kannst du mittlerweile natürlich unzählige Tests dazu machen, aber keiner wird dir wirklich eine Antwort auf deine Frage geben können, denn das kannst nur du tun. Schließlich geht es hier um deine Gefühle und Gedanken.

Wenn du darüber sprechen willst oder einfach gerne mehr Information zu dem Thema möchtest, wende dich an die Gleichstellungsbeauftragte.

Allerdings ist auch wichtig zu wissen: Niemand zwingt dich deine Sexualität zu benennen.

Viele in der LGBTQ+ Gemeinschaft machen das sogar ganz bewusst nicht, weil sie sich nicht festlegen wollen oder weil einfach kein Begriff so richtig passt.