Unter fachkundiger Leitung von Andrea Herschel trafen sich acht Teilnehmer mit Kamera und Stativ am vergangenen Sonntag auf dem Viernheimer Glockenbuckel, um Motive für die Makrofotografie zu finden. Dieses Treffen ergänzte eine Reihe ähnlicher Veranstaltungen rund um die Makrofotografie, wie sie nun seit bereits gut 12 Jahren bestehen. Einige der Teilnehmer sind sogar schon seit den Anfängen dabei.
Doch was konnte uns bei der wochenlangen Hitze und Trockenheit überhaupt erwarten?
Andrea leitete die Veranstaltung mit dem Hinweis ein, dass man schon eine Idee von einem möglichen Motiv haben könne, man solle aber offen für solche Motive sein, die sich unerwarteterweise zeigten, die vielmehr einen selbst fänden. Bei diesen könne man dann verweilen, sie könnten zu einem großen Glücksfall für das Fotografenherz werden – ob wir so einen Glücksfall finden?
Anschließend leitete die passionierte Fotografin unsere Aufmerksamkeit anhand von vorbereiteten Fotografien auf mögliche Motive wie zum Beispiel den häufig hoch auf Bäumen sitzenden Neuntöter, die in den Dünen heimische Blauflügelige Ödlandschrecke, die Wespenspinne oder die Mauereidechse.
Gefunden haben wir trotz der andauernden Hitzewelle wunderbare Objekte und beim Fotografieren verflog die Zeit erstaunlich schnell, während die Sonne immer höher ihrem Zenit entgegenstieg.
Wer hätte gedacht, dass die Blauflügelige Ödlandschrecke so ein liebes und friedvolles Gesicht hat? Es erinnert an eine Schildkröte.
Wer hätte gewusst, dass man nur still und ruhig auf die geflüchtete Mauereidechse warten muss, bis sie wieder auftaucht, um sich zu sonnen – und um sich mal mit offenen, mal mit geschlossenen Augen ablichten zu lassen?
Eine Wespenspinne wartete in ihrem Netz auf Beute, während das grüne Männchen der Gottesanbeterin seinerseits längst eine Hummel gefangen hatte. Die Hummel wird in seinen Fangarmen keine Chance gehabt haben – vielleicht hatte sie aber vorher die Skabiose oder die Wegwarte besucht und ihren ökologischen Beitrag zur Bestäubung damit geleistet.
Auch das Weibchen der Gottesanbeterin und deren Eigelege, die sogenannte Oothek, stellten ein fotografisches Highlight dar. Als wärmeliebende Art begegnet sie uns vielleicht in Zukunft noch öfter.
Des Weiteren lichteten wir unter anderem den wunderschönen Hauhechelbläuling, eine fleißig mit ihrem Nestbau beschäftigte Grabwespe und faszinierend gezeichnete Wanzen auf der wilden Möhre ab.
Nun überraschte uns tatsächlich der leise erhoffte Glücksfall, mit dem wohl keiner gerechnet hatte. Auf einem unscheinbar am Wegesrand liegenden Stück Totholz glitzerten die großen und kleinen Harztröpfchen ganz zauberhaft in der Sonne. Manche dieser Tropfen zogen sich wie ein goldener, eingetrockneter Wasserfall über die Rinde und faszinierten unser Fotografenherz nicht nur vor Ort, sondern immer noch nachträglich beim Betrachten unserer Bilder.
Damit konnten wir nach diesem lehrreichen Fotocoaching in angenehmer Atmosphäre nicht nur mit erfreulich schönen Aufnahmen nach Hause gehen. Wir können ganz sicher auch das Sehen-Lernen erweitern zu einem Erkennen-Lernen, zu einem achtsamen und aufmerksamen Betrachten-Lernen und zu einem geduldigen Beobachten-Lernen von Details. Denn nur was man kennt, erkennt man auch immer wieder, lernt man zu schätzen und beginnt man zu schützen.
Text: S.K.
