Digitale sexualisierte Gewalt

Digitale Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Online oder digitale Gewalt (auch cyber violence) gegen Frauen und Mädchen umfasst gewaltvolle Handlungen, die im digitalen Raum, z.B. in Sozialen Medien oder Online-Portalen, stattfinden. 

Dabei zielen digitale Angriffe in erster Linie auf die Bedrohung, Herabsetzung, Rufschädigung, Erpressung sowie auch auf die Ausspähung der betroffenen Person ab. 

Digitale und analoge Gewalt verstärken und ergänzen sich oft gegenseitig.

Quelle: https://unwomen.de/formen-der-gewalt-gegen-frauen-und-maedchen/

Digitale Gewalt äußert sich u.a. folgendermaßen:

Cyber Grooming

Cyber Grooming bezeichnet die gezielte Kontaktaufnahme mit Minderjährigen im Internet mit dem Ziel, die betroffene Person zu sexuellen Handlungen zu bringen. Die Täter*innen geben sich hierbei oft als Gleichaltrige aus, gewinnen das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen und bringen sie beispielsweise dazu, freizügige Bilder zu versenden. Diese Bilder werden häufig an Dritte weitergegeben oder als Druckmittel verwendet, um weitere missbräuchliche Handlungen (auch offline) zu erzwingen.

Cybermobbing

Cybermobbing umfasst das absichtliche Beleidigen, Herabsetzen, Bedrohen, Einschüchtern, Bloßstellen sowie Erpressen und die Verbreitung falscher Behauptungen mittels des Internets. Es findet auf Internetportalen, in sozialen Medien, in Chat-Rooms und Instant-Messaging-Diensten statt. Im Vergleich zu Mobbing in der analogen Welt verbreiten sich entsprechende Inhalte deutlich schneller und können ein verhältnismäßig großes Publikum erreichen. Durch Smartphones kann Cybermobbing zudem rund um die Uhr stattfinden.

Cyber-Stalking

Mittels sogenannter Spy-Software, die sich auf Smartphones installieren lässt, können Standorte sowie allgemeine Online-Aktivitäten abgefragt und kontrolliert werden. 

Dies ist nicht nur ein massiver Eingriff in die Privatsphäre der betroffenen Person, sondern kann zu potentiell lebensgefährlichen Situationen führen. 

Ebenso zählen dazu ungewollte Nachrichten und Anrufe.

Deepfakes

Bei sogenannten Deep Fakes handelt es sich um manipulierte Fotos oder Videos, häufig mit pornografischem Inhalt, bei denen die Gesichter der Betroffenen auf andere Körper montiert werden. Besonders häufig sind Frauen betroffen. Ziel ist meist, den Ruf der Person zu schädigen oder sie zu erpressen. 

Die zunehmende Verbreitung leicht nutzbarer KI-Tools verschärft das Problem, da Deep-Fake-Videos inzwischen ohne technisches Vorwissen erstellt werden können, während ihre Entlarvung als Fälschung immer schwieriger wird.

Doxing

Das sog. Doxing meint das Sammeln und die anschließende Veröffentlichung von sensiblen Daten und Dokumenten ohne Zustimmung der betroffenen Personen. 

Diese sind häufig Personen des öffentlichen Lebens, wie z.B. Politikerinnen oder Aktivistinnen. 

Doxing ist nicht nur ein massiver Eingriff in die Privatsphäre der Betroffenen, sondern kann zu potenziell (lebens-)gefährlichen Situationen führen.

Hatespeech

Der Begriff Hatespeech (dt.: Hassrede) bezeichnet abwertende und feindselige Äußerungen im Internet mit dem Ziel, Menschen zu diskriminieren, einzuschüchtern oder herabzuwürdigen. Hatespeech zeigt sich z.B. in menschenverachtenden Kommentaren oder gewaltvoller Sprache. Das durch Hatespeech geschaffene feindliche Klima beeinträchtigt die psychische und körperliche Gesundheit der Betroffenen und stellt eine Bedrohung für demokratische Grundwerte und das gesellschaftliche Miteinander dar.

Revenge Porn

Sog. Revenge Porn lässt sich wortwörtlich als „Rache Porno“ übersetzen. Das meint die Veröffentlichung pornografischer oder intimer Videos oder Bilder einer Person ohne deren Zustimmung. Dieser Racheakt erfolgt häufig im Rahmen einer ehemaligen Beziehung. Dabei sind Frauen jungen und mittleren Alters überproportional betroffen. Die intimen Inhalte – i. d. R. im Vertrauen versendet oder über gezieltes Hacking erlangt – werden im Umfeld über Instant-Messaging-Dienste weiterversendet, im Darknet hochgeladen oder in Sozialen Medien verbreitet, um die Betroffenen bloßzustellen und zu demütigen. Dabei ist nie die Person schuld, die intime Bilder von sich macht, sondern immer diejenige, die sie ohne Einverständnis weiterversendet oder veröffentlicht.

Unaufgefordertes Sexting

Unaufgefordertes und ungewolltes Sexting meint das Versenden von sexuell expliziten Nachrichten, zu denen die Empfänger*innen nicht ihr Einverständnis gegeben haben. 

Auch das unaufgeforderte Versenden sog. „Dick Pics“ (Penis-Bilder) gehört dazu.

Hintergrund und Aktuelles aus der Politik:

Die Debatte um pornografische Deepfakes ist aktueller denn je. 10 Jahre hat die Schauspielerin Collien Fernandes versucht herauszufinden, wer solche Deepfakes in ihrem Namen ins Netz stellt. Mit ihrer persönlichen Geschichte ist sie im März an die Öffentlichkeit gegangen, nachdem sie herausgefunden hat, dass diese Deepfakes aus ihrem direkten privaten Umfeld stammen. 
Siehe: https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/collien-fernandes-erstattet-anzeige-gegen-ex-mann-christian-ulmen-a-6abfb991-1665-4469-9c8e-3cc5a2cb4f29?giftToken=453894c4-bb71-42b8-995d-58d891a2e587 

Hier ein paar Zahlen: Laut Statistik gab es im Jahr 2024 in Deutschland mehr als 18 Tsd. Frauen und Mädchen, die von digitaler sexualisierter Gewalt betroffen waren. Soweit die amtliche Statistik. Es wird von einer weitaus höheren Dunkelziffer ausgegangen. Frauen sind mit 61% die größte Opfergruppe. Knapp 34% sind minderjährig. 
Quelle: https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/251121_BLB_Straftaten_gegen_Frauen2024.htm 

Eine internationale Studie (16.000 Befragte in zehn Ländern) hält fest: Mehr als ein Fünftel der Befragten berichten von Erfahrungen mit bildbasierter sexualisierter Gewalt (Image-Based Sexual Abuse). Besonders betroffen sind junge Menschen, LGBTQ+-Personen und Frauen berichten deutlich häufiger über schwere psychische Folgen. 
Siehe: arxiv.org/pdf/ 

Ausgehend von zunehmenden Zahlen digitaler sexualisierter Gewalt, die durch die Fälle Gisèle Pelicot und Collien Fernandez in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt sind, setzt sich auch die Bundesregierung für eine gesetzliche Regelung ein. Im April 2026 hat Bundesjustizministerin Stefanie Hubig einen Entwurf für ein „Gesetz zur Stärkung des zivilrechtlichen und strafrechtlichen Schutzes vor digitaler Gewalt“ auf den Weg gebracht. 
Siehe https://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/DE/2026_Gesetz_gegen_digitale_Gewalt.html 

a) Strafrecht: Neue bzw. erweiterte Straftatbestände insbesondere bei

  • bildbasierter sexualisierter Gewalt 
  • KI-generierten Deepfakes 
  • Identitätsmissbrauch 
  • Fake-Profilen 
  • Doxing (Täter sammeln personenbezogene Daten, die sie bündeln und öffentlich verfügbar machen)
  • Cyberstalking 
  • unerwünschter Zusendung pornografischer Inhalte 
  • Hasskriminalität im Netz 

b) Zivilrecht: Betroffene sollen leichter

  • Löschungen erreichen, 
  • Auskunft über Täteridentitäten erhalten, 
  • gerichtliche Schutzanordnungen bekommen, 
  • Plattformen zur Mitwirkung verpflichten können. 

Gerade für Opfer sexualisierter digitaler Gewalt sollen dadurch Verfahren deutlich beschleunigt werden.

Nach Veröffentlichung des Referent*innenentwurfs lief bis Ende Mai 2026 die Verbändeanhörung. Aus Sicht von Fachverbänden gilt der Entwurf als wichtiger Schritt, weil erstmals ausdrücklich moderne Erscheinungsformen sexualisierter digitaler Gewalt erfasst werden sollen, insbesondere: KI-generierte Nacktbilder und Deepfakes, nicht einvernehmliche Verbreitung intimer Bilder, Sextortion (Bildbasierte sexualisierte Gewalt), Fake-Profile zur Demütigung oder Kontrolle, Kombination aus digitalem Stalking und häuslicher Gewalt. Gleichzeitig fordern Verbände teilweise weitergehende Regelungen und Verbesserungen im Opferschutz. 
Quelle: verband-brg.de/zum-referentenentwurf-des-bmjv-zum-schutz-vor-digitaler-gewalt/ 

Zu beachten ist: Erst nach Abschluss des parlamentarischen Gesetzgebungsverfahrens und der Verkündung treten die neuen Regelungen in Kraft. Ob dies noch im Jahr 2026 erfolgt, lässt sich nicht abschätzen. 


Was tun, wenn ich von digitaler Gewalt betroffen bin?