Was verbindet einen der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker mit einem internationalen Popstar unserer Zeit? Die Antwort auf diese eher ungewöhnliche Frage gibt Stefan Ackermann am Donnerstag, 22. Oktober, um 19 Uhr in der KulturScheune am Satonévri-Platz 1. Unter dem Titel „Was hat Lady Gaga mit Rilke zu tun?“ widmet er sich in einer multimedialen Präsentation dem Leben und Werk Rainer Maria Rilkes – und zeigt dabei auch, wie überraschend gegenwärtig der Dichter bis heute geblieben ist.
Anlass für den Abend ist Rilkes 100. Todestag im Dezember 2026. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur seine eher schwer zugänglichen späten Werke wie die „Duineser Elegien“ oder die „Sonette an Orpheus“. Den Blick richtet Ackermann vor allem auf die eindrucksvolle Liebeslyrik aus Rilkes früher Prager Zeit sowie auf die sogenannten „Dinggedichte“, die während seiner Pariser Jahre entstanden.
Neben der Lyrik beleuchtet die Präsentation zwei Seiten von Rilkes Leben, die sein dichterisches Schaffen maßgeblich beeinflussten. Eine davon ist seine intensive Beziehung zur bildenden Kunst. Rilke lebte zeitweise in der Künstlerkolonie Worpswede, arbeitete in Paris als Privatsekretär des berühmten französischen Bildhauers Auguste Rodin und beschäftigte sich eingehend mit dem Maler Paul Cézanne. Die Begegnung mit Malerei und Bildhauerei hinterließ deutliche Spuren in seiner eigenen dichterischen Arbeit.
Auch Rilkes Verhältnis zu Frauen spielt an diesem Abend eine besondere Rolle. Zahlreiche Frauen begleiteten sein Leben – als Freundinnen und Briefpartnerinnen, als Musen, Vertraute und nicht zuletzt als Mäzeninnen. Vor allem wohlhabende und adelige Förderinnen ermöglichten ihm Aufenthalte auf Schlössern, Reisen und längere Hotel- und Kuraufenthalte. Ackermann zeichnet damit auch das Bild eines Dichters, dessen Leben und Schaffen eng mit einem weitverzweigten Netzwerk persönlicher Beziehungen verbunden waren.
Dass Rilkes Spuren keineswegs nur in Literaturgeschichten und Gedichtbänden zu finden sind, dürfte an diesem Abend ebenfalls deutlich werden. Seine Worte und Gedanken wirken bis in unsere Gegenwart hinein – bisweilen an Orten und bei Menschen, bei denen man sie wohl kaum vermuten würde. Was das ausgerechnet mit Lady Gaga zu tun hat, wird an dieser Stelle allerdings noch nicht verraten.
Wie bereits bei seiner Thomas-Mann-Präsentation verbindet Ackermann Literatur, Bilder und Musik zu einem abwechslungsreichen Gesamtbild. Prof. Dr. Ralf-Dieter Hofheinz lässt einige von Rilkes Prager Gedichten im Zusammenspiel mit Passagen aus Bedřich Smetanas „Moldau“ musikalisch lebendig werden. Außerdem begleitet er Manon Schneider und Odine Raven bei ihrer gesanglichen Interpretation von Rilkes „Liebeslied“.
Die Veranstaltung wird gemeinsam von der städtischen Volkshochschule, der Stadtbibliothek und der Buchhandlung „Schwarz auf Weiß“ angeboten. Während des Abends ist eine kurze Pause mit Erfrischungen vorgesehen. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten.
