Gleichstellungsbüro: „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“

Brötchentütenaktion gestartet - Aktionstag am 25. November rückt digitale sexualisierte Gewalt in den Fokus

Eine kleine Brötchentüte mit einer wichtigen Botschaft: Unter dem Motto „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“ macht die Stadt Viernheim auch in diesem Jahr auf Gewalt gegen Mädchen und Frauen aufmerksam. Nachdem die kreisweite Brötchentütenaktion bereits vergangene Woche gestartet ist, fiel am Montag, 2. November, auch in Viernheim der Startschuss. Bürgermeister Matthias Baaß und die städtische Gleichstellungsbeauftragte Maria Lauxen-Ulbrich nutzten den Auftakt in der Bäckerei Rettig, Lorscher Straße 27, um auf die Bedeutung der Initiative aufmerksam zu machen. Ein weiterer Termin im Zeichen der Gewaltprävention ist der Aktionstag am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Zu den öffentlichen Veranstaltungen ist die Viernheimer Bevölkerung herzlich eingeladen.

„Gewalt darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Umso wichtiger ist es, immer wieder darauf aufmerksam zu machen und Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht allein sind“, betont Bürgermeister Matthias Baaß. „Die Aktion bringt diese wichtige Botschaft mitten in den Alltag der Menschen.“

Die kreisweite Brötchentütenaktion wird bereits seit 2007 vom Arbeitskreis gegen Häusliche Gewalt im Kreis Bergstraße durchgeführt. In Viernheim beteiligen sich in diesem Jahr zehn Bäckereien, die Viernheimer Tafel sowie drei weiterführende Schulen. „Die Brötchentüten machen nicht nur auf Gewalt gegen Mädchen und Frauen aufmerksam, sondern informieren auch über konkrete Hilfsangebote. Besonders wichtig ist uns, bereits junge Menschen für unterschiedliche Formen von Gewalt zu sensibilisieren“, erläutert Maria Lauxen-Ulbrich.

Aktionstag rückt digitale sexualisierte Gewalt in den Fokus

Am Mittwoch, 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, setzt die Stadt Viernheim ihre Aufklärungsarbeit mit einem Aktionstag zum Thema „Digitale Sexualisierte Gewalt“ fort. Informations- und Mitmachangebote richten sich an Jugendliche, Eltern, Großeltern und weitere Interessierte und informieren über Schutzmöglichkeiten und Anlaufstellen.

Am Vormittag nehmen rund 650 Jugendliche aus den weiterführenden Schulen an Informationsveranstaltungen unter dem Titel „Digitale Sexualisierte Gewalt: Wie kann ich mich schützen? Wo gibt es Hilfe?“ teil. Zu Gast ist Celine von Chossy, die während ihrer Schulzeit selbst Mobbing und digitale sexualisierte Gewalt erlebt hat. Heute spricht sie offen über ihre Erfahrungen, um junge Menschen zu sensibilisieren und anderen Betroffenen Mut zu machen.

Fahnenhissung, öffentlicherInformationsabend und Mitmachaktion

Am selben Tag wird um 17:15 Uhr vor dem Alten Rathaus, Kettelerstraße 3, im Beisein des Ersten Stadtrats Jörg Scheidel die Fahne „Wir sagen NEIN zu Gewalt gegen FRAUEN!“ gehisst. Um 18 Uhr folgt die kostenlose Veranstaltung „Digitale Sexualisierte Gewalt: Wie kann ich mich und meine Kinder schützen? Wo gibt es Hilfe?“. Während Celine von Chossy über ihre persönlichen Erfahrungen berichtet, informieren Kriminaloberkommissar Johannes Emanuel Hofmann vom Opferschutz der Führungsgruppe Bergstraße und Diplom-Sozialpädagogin Sabine Trabold-Schaller von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Kreises Bergstraße darüber, wie Eltern ihre Kinder schützen, Warnsignale erkennen und im Ernstfall handeln können. Tina Babbel moderiert den Abend. Einlass ist ab 17:30 Uhr.

Eine besondere Mitmach-Fotoaktion begleitet den Aktionstag: Zwei Viernheimer Teenagerinnen haben gemeinsam mit der städtischen Jugendförderung eine vom Stadtbetrieb bereitgestellte Bank aufgearbeitet, orange gestrichen und mit dem Schriftzug „Hier ist kein Platz für Gewalt gegen Mädchen und Frauen“ versehen. Die Bank lädt dazu ein, mit Fotos ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt zu setzen.

Organisiert wird der Aktionstag vom Gleichstellungsbüro der Stadt Viernheim in Kooperation mit der städtischen Jugendförderung und der Polizei Viernheim.

Weitere Veranstaltung zum Thema Gewalt gegen Frauen

Am Freitag, 27. November, um 19 Uhr findet ein Film- und Themenabend im Luxor-Filmpalast in Bensheim statt. Gezeigt wird der Film „Promising Young Woman“, der sich mit sexualisierter Gewalt und gesellschaftlichen Reaktionen darauf auseinandersetzt. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Die Veranstaltung findet in Kooperation der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Bergstraße statt.

Hilfe gibt es an sieben Tagen, 24 Stunden und in 18 Sprachen 

Auf allen Brötchentüten sind Kontakthinweise zum bundesweiten Hilfetelefon abgedruckt. Dieses ist unter der Nummer 116 016 sieben Tage die Woche rund um die Uhr in 18 Sprachen erreichbar.

Betroffene Frauen können sich dort anonym und kostenfrei beraten lassen. Weitere Informationen bietet die Website www.hilfetelefon.de. Für Kinder und Jugendliche gibt es die „Nummer gegen Kummer“, ebenfalls eine kostenfreie und anonyme Hotline speziell für junge Menschen, die unter 116 111 erreichbar ist.

Hintergrundinformationen - Daten und Fakten

Das Bundeslagebild zur häuslichen Gewalt des Bundeskriminalamtes (BKA) für 2024 führt aus, dass von den 94.873 registrierten Opfern innerfamiliärer Gewalt 54 Prozent weiblich und 46 Prozent männlich waren. Fast ein Viertel war unter 14 Jahre alt. 132 Frauen und 24 Männer wurden im Jahr 2024 durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet. Auch im Bereich der Partnerschaftsgewalt lebte rund die Hälfte der Opfer mit der tatverdächtigen Person zusammen. Die am stärksten betroffene Altersgruppe waren die 30- bis unter 40-Jährigen.