Mit einem neuen Stolperstein erinnert die Stadt Viernheim an Frieda Horn, eine ehemalige Mitbürgerin, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurde. Am Montag, 5. Oktober, um 11 Uhr wird der Künstler und Initiator des Stolperstein-Projekts, Gunter Demnig, den Stolperstein vor dem Haus in der Molitorstraße 1 persönlich verlegen. Bürgermeister Matthias Baaß und Elke Leinenweber, Leiterin des Museums Viernheim, werden dabei an das Leben und Schicksal von Frieda Horn erinnern. Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, an dieser Gedenkveranstaltung teilzunehmen.
Flucht nach New York
Frieda Horn wurde 1913 geboren und wuchs in Viernheim bei ihrer Großmutter Sara auf. Später nahm sie deren Familiennamen Schiffer an. Für die damalige Zeit ungewöhnlich, besaß sie als berufstätige Frau bereits einen Führerschein und ein eigenes Auto. Ihrer weiteren beruflichen Entwicklung setzte allerdings die nationalsozialistische Verfolgung ein Ende. 1938 floh sie schließlich gemeinsam mit ihrem Onkel nach New York.
Nach Ablauf ihres Visums blieb Frieda Horn in den USA. Sie kam mehrfach in Abschiebehaft und wurde zeitweise gegen Kaution freigelassen. 1941 heiratete sie John H. Horn, der ebenfalls aus Deutschland geflohen war und für den US-Militärgeheimdienst arbeitete. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2007 lebte Frieda Horn im New Yorker Stadtteil Queens.
Die Verfolgung durch die Nationalsozialisten hatte ihre Familie auseinandergerissen. Ihr Vater starb 1940 im Konzentrationslager Buchenwald. Ihre Mutter war bereits 1933 nach Tel Aviv geflohen und starb dort 1951. Frieda Horns Großmutter, ihre Tante und zwei Cousins wurden in Auschwitz ermordet.
Familiengeschichte erneut aufgearbeitet
Den Anstoß für den neuen Stolperstein gab Frieda Horns Familie, die sich mit ihrem Wunsch an die Abteilung Stadtgeschichte wandte. Bereits für eine Stolpersteinverlegung im Jahr 2014 war die Familien- und Fluchtgeschichte recherchiert worden. Für die jetzige Verlegung wurde sie erneut aufgearbeitet. Der neue Stein für Frieda Horn ergänzt damit die bereits vorhandenen Stolpersteine, die an Mitglieder ihrer Familie erinnern.
Stolpersteine in Viernheim
Viernheim beteiligt sich seit 2013 am Stolperstein-Projekt. Bei bislang sechs Verlegeaktionen wurden 83 Steine gesetzt. Sie erinnern an Viernheimerinnen und Viernheimer, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Die städtische Internetseite dokumentiert die bisherigen Verlegungen und die dahinterstehenden Lebensgeschichten.
Die Initiative der Stolpersteine gehen auf den Künstler Gunter Demnig zurück. Die kleinen Messingtafeln werden in der Regel vor dem letzten freiwillig gewählten Wohnort der Verfolgten in den Boden eingelassen und erinnern dort an deren Namen und Lebenswege.
Wer das Viernheimer Stolperstein-Projekt unterstützen möchte, kann eine Patenschaft übernehmen. Informationen zu den bisherigen Verlegungen und zu Patenschaften gibt es auf der Internetseite des Museums. Eine Patenschaft kostet derzeit 120 Euro und finanziert Herstellung und Verlegung eines Steins.
