Ein berührender Moment vor dem Haus in der Molitorstraße 1: Dort, wo Frieda Horn einst in Viernheim zu Hause war, erinnert seit 5. Oktober ein Stolperstein an sie. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren auf Einladung der Stadtverwaltung zur Gedenkveranstaltung gekommen. Die Abteilung Stadtgeschichte des Kultur- und Sportamts hatte die Vorbereitungen dazu getroffen.
Für Friedas Tochter Susanne Newmark war es eine besondere Rückkehr an den früheren Lebensmittelpunkt ihrer Mutter. Gemeinsam mit Ehemann, Kindern und Enkeln war die Familie aus verschiedenen Teilen der Welt angereist, darunter aus den USA und Israel.
Bürgermeister Matthias Baaß hieß die Familie herzlich willkommen: „Liebe Familie, es ist uns eine Ehre, Sie heute hier in Viernheim zu begrüßen.“ Seine Ansprache verband die Erinnerung an Frieda Horn mit einer Botschaft für die Gegenwart. Mit Blick auf das 75-jährige Bestehen des Bundesverfassungsgerichts rückte er den ersten und maßgebenden Satz des Grundgesetzes in den Mittelpunkt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Als Konsequenz aus den Erfahrungen der deutschen Geschichte ist dieser Grundsatz besonders geschützt: Gesetzlich verankert darf er weder aufgehoben noch verändert werden und bleibt damit für alle Zeit Grundlage unserer Verfassung.“
Sehr persönlich wurde es, als Susanne Newmark über ihre Mutter sprach: „Ich bin zutiefst gerührt, dass Sie hergekommen sind, um das Andenken an meine Mutter zu ehren. Ich danke Ihnen so sehr.“ Besonders beeindruckt habe sie stets die Stärke ihrer Mutter. Als junge Frau musste Frieda ihre Heimat verlassen, ohne zu wissen, was sie in einem fremden Land erwarten würde. In den USA begann sie noch einmal neu – und ihre Familie wurde zu ihrem großen Glück, zu ihrem „Augapfel“.
Auch Friedas Ehemann fand in der Ansprache seiner Tochter einen Platz. Selbst vor den Nationalsozialisten in die USA geflohen, kehrte er später als Angehöriger der US-Streitkräfte nach Deutschland zurück. Seine Aufgabe sei noch nicht vollendet, schrieb er einst in einem Brief. Mit Blick auf den Stolperstein gab Susanne Newmark diesem Gedanken einen versöhnlichen Abschluss: „Mission accomplished – Mission erfüllt.“
Dann wurde die Erinnerung sichtbar: Gunter Demnig, Künstler und Initiator des Stolpersteinprojekts, setzte den Stein in das Pflaster der Molitorstraße – tatkräftig unterstützt von zwei Urenkelinnen Frieda Horns. Ein traditionelles Gebet und zwei Lieder aus der Familie, auf dem Cello begleitet, ließen die Gedenkstunde würdevoll ausklingen.
Zum Abschied suchte Susanne Newmark noch einmal persönlich das Gespräch mit den Anwesenden und dankte ihnen herzlich für ihre Anteilnahme und den Respekt, den sie ihrer Mutter mit ihrem Kommen entgegengebracht hatten.






