Es sind oft die persönlichen Begegnungen, die den Unterschied machen. Gespräche, die Vorbehalte abbauen. Einblicke, die Verständnis schaffen. Genau darum geht es beim Nachbarschaftstreffen, zu dem die Stadt Viernheim und die Islamische Gemeinschaft Milli Görüş (IGMG) der Sultan Ahmed Moschee am Sonntag, 19. April, von 14 bis 18 Uhr in die Friedrich-Ebert-Straße 18 einladen. Bei einem Pressegespräch im Neuen Rathaus stellen die Akteure die Veranstaltung vor, die Ausdruck eines gemeinsamen Anliegens ist: das Zusammenleben in Viernheim aktiv zu gestalten und den Dialog zu stärken.
Bürgermeister Matthias Baaß erklärt gleich zu Beginn, aus welcher Haltung heraus die Initiative entstanden ist. „Ein Bürgermeister trägt Verantwortung für alle Menschen in seiner Stadt – ganz gleich, ob sie hier geboren oder später zu uns gekommen sind, welchen Glauben sie haben oder welchen Hintergrund sie mitbringen.“ Viernheim sei seit Jahrzehnten geprägt von Vielfalt – und genau darin liege auch eine gemeinsame Aufgabe. „Wir leben hier alle an einem Ort. Deshalb haben wir auch eine gemeinsame Verantwortung dafür, dass das Zusammenleben gelingt“, so Baaß weiter. Mit Blick auf diese Haltung greift er einen in Viernheim prägenden Gedanken auf: „Wir sind alle Viernheimer.“ Dieser Leitsatz, der auf den früheren Vorsitzenden des Ausländerbeirats Dr. Obo Ebenezer Edusa-Eyison zurückgeht, bringe den Kern des gemeinsamen Zusammenlebens in der Stadt auf den Punkt.
Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen ihre Eindrücke vor allem aus Medienberichten gewinnen, sei es umso wichtiger, sich persönlich zu begegnen. „Ich habe gemerkt, dass es viele Bürgerinnen und Bürger gibt, die sich noch kein eigenes Bild gemacht haben.
Umso wichtiger ist es, Möglichkeiten zu schaffen, genau das zu tun“, erklärt der Verwaltungschef. Die Idee für das Nachbarschaftstreffen sei deshalb bewusst gemeinsam mit den Moscheegemeinden entwickelt worden. „Wenn wir wollen, dass Menschen gut miteinander leben, dann müssen wir auch Räume schaffen, in denen sie sich kennenlernen können. Das passiert nicht von allein“, so Baaß. Das Nachbarschaftstreffen am 19. April ist dabei nicht als einmalige Aktion gedacht. Bereits jetzt ist eine ähnliche Veranstaltung mit der DITIB-Gemeinde im Herbst geplant. Ziel ist es, den begonnenen Dialog fortzuführen und dauerhaft Räume für Begegnung in Viernheim zu schaffen.
„Ein Blick hinter die Mauern“ – Offenheit als Einladung
Dass diese Räume nun entstehen, ist für die Vertreter der IGMG-Gemeinde ein wichtiges Signal. Vorsitzender Murat Öztürk zeigt sich sehr dankbar für die Chance: „Die Veranstaltung ermöglicht es, die Gemeinde sichtbar zu machen und Einblicke hinter die Mauern zu geben, die sonst oft fehlen.“ Es gehe darum, offen zu zeigen, wer man ist, was man tut und was einem wichtig ist. Gerade weil viele Menschen bislang nur wenig Berührungspunkte mit dem Gemeindeleben haben, sei es umso wertvoller, Türen zu öffnen und ins Gespräch zu kommen.
Auch Vorstandsmitglied Selcuk Demirel hebt hervor, welche persönliche Bedeutung die Veranstaltung für ihn hat. Als Teil der dritten Generation in Deutschland sei es ihm ein besonderes Anliegen, Verbindungen zu stärken und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Dabei versteht sich die Gemeinde längst als selbstverständlicher Teil Viernheims, so Demirel. „Viele unserer Mitglieder leben seit Jahrzehnten hier, sind hier groß geworden und in der Stadt zuhause, engagieren sich in Vereinen, bei städtischen Aktionen wie dem Frühjahrsputz oder in sozialen Projekten.“ Das Nachbarschaftstreffen sei eine Gelegenheit, Brücken zu bauen – nicht nur für die Gegenwart, sondern auch mit Blick auf die Zukunft. Türen sollen bewusst offen gehalten werden – für alle Menschen, unabhängig von Herkunft oder Religion.
Dabei spielt auch die Hilfsbereitschaft der Gemeinde eine wichtige Rolle. Immer wieder bringen sich Mitglieder in soziale Projekte ein, unter anderem für Viernheims afrikanische Partnerstadt in Burkina Faso. Diese Haltung – füreinander da zu sein – verstehe man als festen Bestandteil des eigenen Selbstverständnisses, betont Demirel.
Begegnung im Mittelpunkt – Gespräch, Kultur und Einblicke
Im Zentrum des Nachbarschaftstreffens steht der persönliche Austausch. Besonders die beiden Gesprächsrunden um 14:30 Uhr und 16:30 Uhr sollen Raum für echte Begegnungen schaffen. Hier berichten Gemeindemitglieder darüber, wer sie sind, was sie machen und was sie „auf dem Herzen“ haben.
Darüber hinaus erwartet die Besucherinnen und Besucher ein vielseitiges Programm: Führungen durch das Gebäude, Einblicke in die religiöse Praxis und die Gemeindearbeit sowie ein abwechslungsreiches Kulturangebot. So gibt es Darbietungen des Kinderstreicherensembles „Streichhölzchen“ der Musikschule Viernheim und des Kidsclub-Kinderchors der Gemeinde sowie Vorführungen „Tanz der Derwische“.
Auch etliche städtische Akteure sind vor Ort vertreten: Das Büro für Neuzugezogene und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadtverwaltung informieren mit der Johanniter Unfallhilfe zu ihrer Arbeit, auch in der benachbarten Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete.
Des Weiteren stellt die Integrationskommission ihre Arbeit sowie städtische Vertreter der Abteilung Stadtgeschichte im Kultur- und Sportamt das Forschungsprojekt zur lokalen Migrationsgeschichte seit 1945 vor.
Selbstverständlich ist auch für Essen und Trinken gesorgt – ein weiterer Anlass, miteinander ins Gespräch zu kommen und die Begegnung in entspannter Atmosphäre zu genießen.
Einladung an die gesamte Stadtgesellschaft
Das Nachbarschaftstreffen richte sich ausdrücklich an alle Viernheimerinnen und Viernheimer – unabhängig davon, ob sie in unmittelbarer Nähe wohnen oder nicht, erklärt Vorsitzender Öztürk. „Nachbarschaft“ wird dabei bewusst weit gefasst: Gemeint sind alle Menschen, die in dieser Stadt leben und sie gemeinsam gestalten.
Dabei hoffen die Akteure auf eine große Resonanz aus der Bürgerschaft. Man wünsche sich den Dialog, das Kennenlernen und den Austausch – ganz unkompliziert und ohne Hürden. Oder, wie es die Organisatoren zusammenfassen: einfach vorbeikommen, Fragen stellen, ins Gespräch kommen – und sich begegnen.


