Wirtschaftsförderung: Ein Unikat in der Innenstadt - Barberia da Lorenzo setzt bewusst auf echtes Handwerk

Wer die Barberia da Lorenzo in der Rathausstraße 4 betritt, hat für einen Moment das Gefühl, eine andere Welt zu betreten. Dunkles Holz, schwere Ledersessel und liebevoll ausgewählte Details lassen erahnen, dass hier nichts dem Zufall überlassen ist. Genau diesen besonderen Ort besuchten kürzlich Bürgermeister Matthias Baaß gemeinsam mit Alexander Schwarz und Claus Bunte von der städtischen Wirtschaftsförderung.

Seit dem 1. September 2025 bereichert Inhaber Lorenzo Mazzuca mit seinem Barbershop die Viernheimer Innenstadt – und setzt dabei bewusst auf ein Konzept, das sich deutlich von modernen Friseursalons abhebt. Dieses Geschäft will die Kunden in eine andere Zeit und an einen anderen Ort mitnehmen. Tatsächlich wirkt die Barberia wie eine Hommage an klassische Barbierstuben, wie man sie früher in Italien oder den USA finden konnte.

Der Anspruch an Authentizität zeigt sich bis ins Detail – und steht zugleich sinnbildlich für die Haltung des Inhabers. Voller Stolz verweist Mazzuca auf einen seiner Friseurstühle: „Der ist aus einer original Barberia aus New York City aus dem Jahr 1910.“ Der rund 300 Kilogramm schwere Stuhl ist ebenso ein Blickfang wie eine Marmortheke aus derselben Zeit, die über Umwege aus dem Schwarzwald nach Viernheim gelangte. „Bedingung war, dass ich alles so lasse und nichts daran verändere“, erzählt Mazzuca. Auch ein zweiter, rund 80 Jahre alter Stuhl unterstreicht den besonderen Charakter des Salons. Selbst sein Arbeitskittel ist Teil dieses konsequenten Gesamtkonzepts: Er ist bewusst weiß gehalten. „Die Farbe steht für Reinheit“, erklärt Mazzuca – ein Anspruch, der sich auch in seiner Arbeit widerspiegelt.

Doch nicht nur die Einrichtung folgt der Tradition – auch das Handwerk selbst wird konsequent klassisch ausgeführt. „Ich arbeite ausschließlich mit Kamm und Schere, Maschinen habe ich keine“, sagt der 36-Jährige. Für jeden Kunden nimmt er sich bewusst Zeit: „Unter 30 Minuten geht bei mir nichts.“ Auch die Nassrasur erfolgt nach altem Ritual mit warmen Kompressen. Dazu gehören für Mazzuca auch kleine Gesten der Gastfreundschaft: Ein Espresso, ein Bier oder ein Whiskey für die Kunden – „selbstverständlich aufs Haus“.

Die Barberia versteht sich dabei nicht nur als Dienstleistungsbetrieb, sondern auch als sozialer Treffpunkt. „Der Raum ist bewusst klein gewählt. Jeder ist mitten im Geschehen, Gespräche gehören dazu“, erklärt Mazzuca. Viele Kunden kämen auch einfach vorbei, um sich auszutauschen. Vor dem Geschäft lädt zudem eine Holzbank zum Verweilen ein.

Die Leidenschaft für sein Handwerk entdeckte Mazzuca bereits früh: Mit 14 Jahren absolvierte er ein Praktikum, das den Grundstein für seine heutige Berufung legte. Der gebürtige Sizilianer, der im Alter von drei Jahren nach Deutschland kam, war vor seiner Selbstständigkeit in einem Barbershop in Mannheim tätig. Viele seiner damaligen Kunden sind ihm nach Viernheim gefolgt. Aufgrund der hohen Nachfrage müssen Interessierte derzeit mit einer Vorlaufzeit von vier bis fünf Wochen für einen Termin rechnen.

Bürgermeister Matthias Baaß zeigte sich beeindruckt vom Konzept und der Hingabe des Unternehmers: „Sie sind ein wahres Unikat. Innenstädte leben von solchen Besonderheiten. Viernheim darf sich glücklich schätzen, Sie in der Mitte haben zu dürfen.“ Auch Alexander Schwarz hebt die besondere Position des Salons hervor: „Wer hier reinkommt, nimmt sich bewusst Zeit. Das ist eine andere Kundschaft.

Ein kleines Schild im Laden bringt die Philosophie augenzwinkernd auf den Punkt: „Oft braucht es keine Psychologen, sondern einen guten Barber.

Termine in der Barberia da Lorenzo sind dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 19 Uhr, donnerstags von 10 bis 20 Uhr sowie samstags von 8 bis 14 Uhr möglich. Weitere Informationen und Terminvereinbarungen telefonisch unter 06204 – 98 03 299.