Mit dem Projekt „RiA – Rein in die Arbeit Altenpflege“ startet der Verein Lernmobil Viernheim e. V. ein neues, praxisnahes Integrationsprojekt zur Gewinnung von Fachkräften im Pflegebereich. Gemeinsam mit der Stadt Viernheim, dem Eigenbetrieb „Neue Wege“ des Kreises Bergstraße sowie den regionalen Pflegeeinrichtungen Caritasverband Darmstadt e. V., Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. und dem Eigenbetrieb Forum der Senioren Viernheim wurde das Vorhaben am vergangenen Mittwoch (25. Februar) im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.
RiA reagiert auf eine doppelte Herausforderung: Während Pflegeeinrichtungen händeringend qualifiziertes Personal suchen, bleiben berufliche Potenziale vieler zugewanderter Menschen bislang ungenutzt. Genau hier beginnt RiA – direkt in den bestehenden Sprachkursen von Lernmobil. Sprachförderung, Qualifizierung und praktische Erfahrung greifen von Beginn an ineinander. Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte werden frühzeitig und praxisnah an Tätigkeiten in der Altenpflege herangeführt und erhalten so eine realistische und langfristige berufliche Perspektive in der Region.
Vernetzung als Grundlage
Larysa Kay-Kulakowski, Geschäftsführerin von Lernmobil, betonte die Bedeutung der engen Zusammenarbeit aller Beteiligten. „Arbeitsmarktintegration gelingt nur gemeinsam“, erklärte sie. Kommune, Kreis, Pflegeeinrichtungen und Integrationsarbeit arbeiten Hand in Hand, um nachhaltige Lösungen zu schaffen. „RiA zeigt, wie aus diesem Zusammenspiel tragfähige Strukturen entstehen können.“ Sprachförderung, Qualifizierung und Praxiserfahrung würden nicht getrennt voneinander gedacht, sondern von Anfang an miteinander verknüpft.
Mehrwert für das Gemeinwesen
Bürgermeister Matthias Baaß unterstrich die Relevanz des Projekts für die Region. Der Fachkräftemangel in der Pflege sei auch in Viernheim deutlich spürbar. Gleichzeitig lebten hier viele Menschen mit Potenzial und dem Wunsch, beruflich Fuß zu fassen. „Arbeitsmarktintegration ist eine Gemeinschaftsaufgabe und am Ende ist das Gemeinwesen der eigentliche Gewinner.“ Bereits mit der Fachkräfteinitiative für Kitas habe Viernheim gezeigt, dass sich Qualifizierung, Integration und konkrete Bedarfe erfolgreich miteinander verbinden lassen – ein Gewinn für Kitas, Eltern und die Wirtschaft. „Genau diesen Ansatz übertragen wir nun auf die Altenpflege“, erklärte Baaß. RiA baue Brücken zwischen Sprachkurs und Arbeitsplatz und stärke zugleich die kommunale Daseinsvorsorge. Das Projekt habe zudem das Potenzial, über Viernheim hinaus Vorbildcharakter zu entwickeln. „Alle suchen händeringend Pflegepersonal. Wenn es gelingt, Menschen mit Sprachbarrieren gezielt zu qualifizieren und nachhaltig in Arbeit zu bringen, stärken wir unsere Einrichtungen und unsere Region gleichermaßen“, so der Rathauschef.
Praxisnaher Weg in die Altenpflege
Im Mittelpunkt von RiA stehen begleitete Praktika in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen der Region. Diese werden durch berufsbezogene Sprachförderung, Qualifizierungsbausteine und eine enge sozialpädagogische Begleitung ergänzt. Die Teilnehmenden erhalten realistische Einblicke in den Arbeitsalltag, wenden ihre Sprachkenntnisse unmittelbar an und entwickeln Schritt für Schritt berufliche Sicherheit. Dr. Brigitta Eckert, Vereinsgründerin und verantwortlich für Strategie und Innovation bei Lernmobil, betonte: „Sprachkurse mit einer klaren beruflichen Perspektive erhöhen Motivation und Lernerfolg deutlich.“ RiA ziehe daraus die Konsequenz und verknüpfe die Kurse von Anfang an eng mit konkreten beruflichen Perspektiven in der Altenpflege. Dr. Oxana Berduta erläuterte die Struktur des Projekts: „Wir sprechen geeignete Teilnehmende direkt in unseren Sprachkursen an und informieren sie gezielt über berufliche Perspektiven in der Altenpflege. Von dort aus begleiten wir sie über Schnupperpraktika und Kompetenzanalysen bis hin zur passgenauen Vermittlung in eine Einrichtung.“ Ergänzend werden Informationen zu beruflichen Anforderungen und fachspezifischer Sprache vermittelt. Ziel ist die Weiterleitung in Ausbildung oder sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.
Eine besondere Rolle übernehmen dabei die Integrationslotsinnen und -lotsen von Lernmobil. „Wir stehen den Teilnehmenden von Anfang an eng zur Seite – von der ersten Orientierung bis zum Einstieg in die Altenpflege. Wir unterstützen bei organisatorischen Fragen, vermitteln bei Unsicherheiten und sorgen dafür, dass sowohl die Teilnehmenden als auch die Einrichtungen gut vorbereitet in die Zusammenarbeit starten“, erklärt Almira Vehabovic, Abteilungsleitung der Integrationslotsinnen und -lotsen bei Lernmobil. So werden Hürden abgebaut und nachhaltige Übergänge in den Arbeitsmarkt ermöglicht.
Starke Partner aus der Praxis
Die Vertreter der kooperierenden Pflegeeinrichtungen zeigten sich geschlossen überzeugt vom Ansatz des Projekts. RiA komme zur richtigen Zeit und setze genau dort an, wo der Handlungsdruck am größten sei: bei der Gewinnung und nachhaltigen Integration neuer Pflegekräfte. Die enge Begleitung der Teilnehmenden und die strukturierte Vorbereitung auf den Berufsalltag würden aus Sicht der Einrichtungen einen entscheidenden Mehrwert darstellen. Jürgen Hoock, Leiter des Forums der Senioren, berichtete aus der praktischen Erfahrung: „Wir hatten bereits vier Praktikantinnen und Praktikanten aus dem Projekt – zwei davon möchten nun eine Ausbildung beginnen. Das ist für uns ein echter Gewinn.“
Gleichzeitig verwies er auf die demografische Herausforderung: „In den kommenden Jahren werden wir rund 22 Prozent unserer Mitarbeitenden altersbedingt verlieren. Diese Lücke müssen wir schließen und der zusätzliche Bedarf wächst weiter.“ Geplant sei zudem eine betriebliche Sprechstunde gemeinsam mit den Integrationslotsinnen und -lotsen, um die Begleitung direkt in der Einrichtung weiter zu stärken.
Auch der Eigenbetrieb „Neue Wege“ des Kreises Bergstraße unterstützt das Vorhaben. „Wir sind stolz darauf, neue Wege zu gehen und gleichzeitig auf gewachsene Strukturen zurückgreifen zu können“, sagte Dr. Melanie Marysko, Leiterin des Eigenbetriebs „Neue Wege“. „Unser gemeinsames Ziel ist es, Menschen zu integrieren, die bereits hier leben – statt weltweit nach Arbeitskräften zu suchen.“
RiA wird neben Viernheim auch in Lampertheim, Bürstadt und Biblis umgesetzt – überall dort, wo Lernmobil bereits Sprachkurse anbietet und Lotsinnen und -lotsen tätig sind. Bestehende Strukturen werden gezielt genutzt und weiterentwickelt, um Synergien in der Region zu schaffen und langfristige Kooperationen zu sichern.
Die Projektleitung Anina Brenneis berichtete, dass das Projekt von Januar 2026 bis Dezember 2028 läuft und im Rahmen des ESF+-Programms „Impulse der Arbeitsmarktpolitik (IdeA)“ gefördert wird. In Viernheim wurde in der Kettlerstraße 63 eine eigene Anlaufstelle eingerichtet. Eine offene Sprechstunde findet donnerstags von 14 bis 15 Uhr statt. Weitere Informationen sind zudem auf der Homepage von Lernmobil unter https://www.lernmobil-viernheim.de/ria/ zu finden.
Mit „RiA – Rein in die Arbeit Altenpflege“ setzen Lernmobil und seine Partner ein deutliches Zeichen: Pflege stärken und Chancen eröffnen gehören zusammen. Das Projekt gewinnt dringend benötigte Fachkräfte für die Region – und schafft zugleich konkrete Perspektiven für Menschen, die hier leben und arbeiten wollen.
