Eine kleine Dose im Kühlschrank, eine Karte im Geldbeutel und die Frage: Wer kann eigentlich für mich handeln, wenn ich es selbst nicht kann? Mit der Aktion „Gut vorgesorgt?! – Mit der Notfalldose im Kühlschrank – eiskalt abgesichert“ macht die Stadtverwaltung gemeinsam mit mehreren Kooperationspartnern darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, sich frühzeitig mit der eigenen Vorsorge auseinanderzusetzen.
Denn Vorsorge wird nicht nur bei Krankheit oder im Alter wichtig. Auch ganz alltägliche Situationen können zeigen, wie hilfreich klare Regelungen sind – etwa wenn im Ausland wichtige Papiere verloren gehen und zu Hause jemand notwendige Schritte übernehmen muss. Im medizinischen Notfall stellen sich zudem ganz konkrete Fragen: Welche Medikamente werden eingenommen? Gibt es Vorerkrankungen oder Allergien? Wer soll verständigt werden? Und wer darf Entscheidungen treffen?
Getragen wird die Aktion vom städtischen SeniorenBüro gemeinsam mit dem Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung, der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. Regionalverband Bergstraße-Pfalz, der City-Gemeinschaft Viernheim, der Baugenossenschaft Viernheim eG und der Sparkasse Starkenburg. Sie knüpft an die Kampagne halloALTER an, bei der Vorsorge und Eigenverantwortung zu den zentralen Themen gehören.
„Vorsorge bedeutet, sich heute mit Dingen zu beschäftigen, von denen man hofft, dass man sie niemals braucht. Aber wenn der Ernstfall eintritt, kann genau das für einen selbst, für Angehörige und für die Einsatzkräfte einen großen Unterschied machen“, fasst Erster Stadtrat Jörg Scheidel die Botschaft zusammen.
Vorsorge beginnt nicht erst im Alter
Das SeniorenBüro macht deutlich, dass Vorsorge alle Erwachsenen betrifft. Mit Vollendung des 18. Lebensjahres endet die elterliche Sorge. Eltern oder andere Familienangehörige können dann nicht automatisch Entscheidungen treffen oder Auskünfte erhalten, wenn die betroffene Person selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und weitere Regelungen können deshalb frühzeitig Klarheit schaffen. „In unserer täglichen Arbeit erleben wir immer wieder, wie schwierig Situationen werden können, wenn vorher nichts geregelt wurde“, erklärt Beate Preuss vom SeniorenBüro.
Um Orientierung zu geben, sind unter www.viernheim.de/gutvorgesorgt die wichtigsten Informationen zusammengestellt. Dort finden sich Hinweise zu verschiedenen Formen der Vorsorge, weiterführende Unterlagen sowie Informationen zur Notfallkarte und zur Notfalldose.
Eine Dose, die im Ernstfall wichtige Zeit sparen kann
Klein, rot und kaum zu übersehen: Die Notfalldose ist eine kompakte Kunststoffdose mit weißem Deckel, die gut sichtbar im Kühlschrank aufbewahrt wird. Im Inneren steckt ein Datenblatt mit wichtigen persönlichen und medizinischen Angaben – etwa zu Vorerkrankungen, Medikamenten, Allergien, Hausarzt oder Notfallkontakten.
„Die Idee ist einfach, aber wirkungsvoll: Wichtige Informationen liegen an einem festen Ort und können im Ernstfall schnell gefunden werden“, erklärt Andrea Winkler von der Johanniter-Unfall-Hilfe. Aufkleber an der Wohnungs- beziehungsweise Haustür und am Kühlschrank weisen Einsatzkräfte darauf hin, dass es eine Notfalldose gibt und wo sie zu finden ist. Wie hilfreich das sein kann, zeigt sich besonders dann, wenn Patientinnen oder Patienten selbst keine Angaben mehr machen können. Bei einem Verdacht auf Schlaganfall kann beispielsweise wichtig sein zu wissen, ob gerinnungshemmende Medikamente eingenommen werden. Fehlen diese Angaben, müssen Einsatzkräfte unter Umständen erst Medikamentenschachteln zusammensuchen oder Informationen auf anderem Weg beschaffen. „Für uns vom Rettungsdienst kann das im Einsatz wertvolle Zeit sparen“, ergänzt Marco Martella. Wichtig sei deshalb auch, die Angaben in der Dose regelmäßig zu überprüfen und Änderungen bei Medikamenten, Erkrankungen oder Kontaktdaten zeitnah einzutragen.
Wenn wichtige Kontakte fehlen
Auch das Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung erlebt in der Praxis, welche Folgen fehlende Kontaktdaten haben können. Wird eine alleinlebende Person verstorben aufgefunden und sind keine nahestehenden Personen bekannt, beginnt oft eine zeitaufwendige Suche. „Im Todesfall geht es nicht nur um Abläufe und Fristen. Wir möchten vor allem Angehörige finden und ihnen ermöglichen, Abschied zu nehmen und die weiteren Schritte selbst zu begleiten. Aktuelle Kontaktdaten helfen dabei enorm“, sagt Amtsleiter Christoph Winkler.
Aus dem Wohnalltag kennt auch die Baugenossenschaft Viernheim eG Situationen, in denen fehlende Kontakte schnell zum Problem werden. Bei einem plötzlichen Krankenhausaufenthalt kann etwa unklar sein, wer sich um die Wohnung kümmert oder ein Haustier versorgt. Im Rahmen ihres Sozialmanagements sucht die Baugenossenschaft deshalb gezielt den persönlichen Kontakt zu älteren Bewohnerinnen und Bewohnern und überreicht bei Besuchen Notfalldosen.
Einen weiteren Blickwinkel bringt die Sparkasse Starkenburg ein: Vorsorge beginnt häufig bei der Kontovollmacht, sollte dort aber nicht enden.
Im Generationenmanagement spielt deshalb auch die frühzeitige Regelung des Nachlasses eine Rolle, um spätere Unsicherheiten und Belastungen möglichst zu vermeiden. Im Rahmen ihrer Beratungsgespräche gibt die Sparkasse Starkenburg im gesamten Geschäftsgebiet die Notfalldosen zudem kostenfrei an Kundinnen und Kunden aus.
Notfallkarte für unterwegs
Ergänzend zur Notfalldose hat das SeniorenBüro eine Notfallkarte für den Geldbeutel entwickelt. Darauf können unter anderem Hausarzt, Notfallkontakte, vorhandene Vorsorgedokumente, chronische Erkrankungen, Allergien oder besondere medizinische Hinweise vermerkt werden. Auch Informationen darüber, ob Kinder, pflegebedürftige Angehörige oder Haustiere im Haushalt leben, finden dort Platz. Die Karte kann auch für Kinder sinnvoll sein, damit wichtige Kontaktdaten unterwegs griffbereit sind. Das SeniorenBüro gibt die Notfallkarte im Rahmen seiner Beratungsgespräche aus. Außerdem steht sie unter www.viernheim.de/gutvorgesorgt zum Download bereit.
Notfalldose für zwei Euro erhältlich
Damit die Notfalldose unkompliziert vor Ort erhältlich ist, unterstützt die City-Gemeinschaft Viernheim die Aktion. Die Dose kostet 2 Euro und ist bei folgenden Stellen erhältlich:
ARTee Der Teeladen, Rathausstraße 23
Buchhandlung Schwarz auf Weiß, Rathausstraße 41a
Gutperle Orthopädie Schuhtechnik, Rathausstraße 123
HUK Viernheim, Elvira Woiwode, Rathausstraße 2
Küchen mit Biss, Lorscher Straße 4
Nähgalerie Renate Müller, Rathausstraße 47
Optik Fischer, Rathausstraße 47
Partyservice Bugert, Rathausstraße 21
Weltladen, Rathausstraße 32
Alle Informationen zur persönlichen Vorsorge, zur Notfalldose und zur Notfallkarte gibt es unter www.viernheim.de/gutvorgesorgt


