Rund 160 Bürgerinnen und Bürger haben am Donnerstagabend, 26. Februar, an der öffentlichen Projektwerkstatt im Bürgerhaus teilgenommen. Unter dem Titel „Vertraute Orte – Neues Leben“ hatten die katholische Pfarrei Hl. Johannes XXIII. und die Stadt Viernheim eingeladen, um gemeinsam über mögliche neue Nutzungen der Hildegardkirche, der Marienkirche und der Michaelskirche zu beraten.
Die öffentliche Projektwerkstatt ist Teil des laufenden Beteiligungsprozesses, mit dem die Pfarrei Hl. Johannes XXIII. und die Stadt Viernheim, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, Perspektiven für die drei derzeit nicht mehr regelmäßig genutzten Kirchengebäude entwickeln.
Ausgangslage und bisheriger Beteiligungsprozess
Zu Beginn der Veranstaltung erläuterte Pfarrer Dr. Ronald Givens die Ausgangssituation. Hintergrund ist der strukturelle Wandel innerhalb der katholischen Kirche, der auch in Viernheim zu Veränderungen führt. Im Zuge des sogenannten Pastoralen Weges im Bistum Mainz soll der Gebäudebestand reduziert werden. In Viernheim wird künftig nur noch die Apostelkirche regelmäßig für Gottesdienste genutzt.
„Für die drei anderen, denkmalgeschützten Kirchen müssen neue, tragfähige Perspektiven gefunden werden“, erklärte Pfarrer Dr. Ronald Givens.
Der Zukunftsdialog setzt bewusst auf eine breite Beteiligung der Bürgerschaft. Bereits im vergangenen Jahr konnten Bürgerinnen und Bürger beim „Kirchenwandeln“ – einem Rundgang durch die drei Kirchen - erste Eindrücke sammeln und Ideen zur zukünftigen Nutzung der Gebäude einbringen. Insgesamt gingen anschließend über 1.000 Vorschläge in einer Ideensammlung ein.
Diese Ideen wurden von einem Runden Tisch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche, Politik, Denkmalbehörde und Bürgerschaft gesichtet, thematisch gebündelt und zu ersten Nutzungsperspektiven weiterentwickelt.
Nutzungsperspektiven für die drei Kirchen
Im Rahmen der Projektwerkstatt wurden erstmals konkrete Nutzungsskizzen für die drei Kirchen vorgestellt.
Für die Marienkirche wurden folgende Nutzungsmöglichkeiten diskutiert:
Eventlocation mit Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten
Kulturkirche als Begegnungs- und Veranstaltungsort
Working-Space-Konzept „Marien-Boxx“ mit flexiblen Arbeitsbereichen
Für die Hildegardkirche standen drei Ansätze im Mittelpunkt:
ein erweitertes Sozialzentrum („Sozialzentrum Plus“)
ein Quartierstreff mit Begegnungs- und Veranstaltungsangeboten
ein Beratungs- und Gesundheitshaus
Für die Michaelskirche wurden folgende Perspektiven vorgestellt:
ein Lern- und Bildungshaus in Kooperation mit Schulen und Kindertagesstätten
ein Sport- und Bewegungsraum
ein Mehrzweck- und Veranstaltungsraum
Weitere Entwicklungen im Prozess
Im Verlauf des Abends informierten die Verantwortlichen zudem über aktuelle Entwicklungen im Prozess.
So wurde durch die Innovationsförderung des Bistums Mainz eine Machbarkeitsstudie für die Michaelskirche bewilligt. Diese soll prüfen, ob die Idee einer möglichen Kletterkirche baulich, denkmalrechtlich und organisatorisch realisierbar wäre. Der Vorschlag greift zahlreiche Ideen aus der Bürgerschaft auf, in denen der Wunsch nach Sport- und Bewegungsangeboten geäußert wurde.
Zudem war es eine Empfehlung aus der zweiten Sitzung des Runden Tisches, Möglichkeiten für Zwischennutzungen in den Kirchen zu schaffen. Die zuständige Denkmalbehörde hat inzwischen genehmigt, die Kirchenbänke in der Hildegardkirche und der Michaelskirche auszubauen und einzulagern. Dadurch entstehen Freiräume, die künftig für Veranstaltungen und mögliche Zwischennutzungen zur Verfügung stehen.
Auch die Stadt Viernheim prüft derzeit, ob im Falle einer temporären Schließung der Waldsporthalle einzelne Sportangebote vorübergehend in der Michaelskirche stattfinden könnten.
„Da wird kein Handball in der Kirche gespielt“, stellte Erster Stadtrat Jörg Scheidel klar. „Aber vielleicht ist der eine oder andere Bewegungs- oder Fitnesskurs durchaus denkbar– genau solche Ideen wollen wir gemeinsam weiterdenken.“
Austausch an Dialogtischen
Im Zentrum der Projektwerkstatt standen mehrere moderierte Diskussionsrunden an sogenannten Dialogtischen. Dort konnten die Teilnehmenden die vorgestellten Konzepte diskutieren, Fragen stellen und weitere Anregungen einbringen.
Bei der Hildegardkirche wurde insbesondere die Idee eines Sozialzentrums an zentraler Stelle positiv aufgenommen. Diskutiert wurden Möglichkeiten, soziale Angebote stärker mit Begegnungsformaten im Quartier zu verbinden sowie Kooperationen mit benachbarten Schulen und Kindertagesstätten zu nutzen.
Für die Marienkirche wurden unterschiedliche Nutzungsschwerpunkte erörtert. Neben einer Event- und Veranstaltungsnutzung wurden auch Wohn- und Begegnungsangebote für ältere Menschen sowie kulturelle Nutzungen diskutiert.
Im Blick auf die Michaelskirche wurde insbesondere der Bedarf an Bewegungs- und Veranstaltungsflächen sowie an Räumen für schulische Kooperationen angesprochen. Teilnehmende betonten zudem die Möglichkeit, unterschiedliche Nutzungen miteinander zu kombinieren.
Am Ende der Veranstaltung konnten die Teilnehmenden ihre bevorzugten Nutzungsperspektiven markieren. Ein eindeutiger Favorit ergab sich dabei nicht; die Stimmen verteilten sich auf mehrere Konzepte.
Ausblick auf die nächsten Schritte
Die Ergebnisse der Projektwerkstatt werden nun dokumentiert und ausgewertet. Sie fließen in die weitere Arbeit des Runden Tisches ein, der sich im April erneut trifft, um die Anregungen zu beraten und weitere Empfehlungen zu erarbeiten.
Den Abschluss des Beteiligungsprozesses bildet eine öffentliche Abschlussveranstaltung am Montag, 22. Juni, bei der die Ergebnisse des Zukunftsdialogs vorgestellt und zusammengeführt werden.
Die Pfarrei Hl. Johannes XXIII. und die Stadt Viernheim danken allen Bürgerinnen und Bürgern für ihr großes Interesse und ihre aktive Beteiligung am Zukunftsdialog.
Weitere Informationen zum Zukunftsdialog „Neues Leben – Vertraute Orte“ sowie alle Termine sind auf der Internetseite der Pfarrei Hl. Johannes XXIII. zu finden: www.bistummainz.de/zukunftsdialog-viernheim

